Venedig 16 – Tag 12: Erst ein Markt, dann die Stadt

Venedig 16 – Tag 12: Erst ein Markt, dann die Stadt

Dienstag, 11.10.2016 Wetter: sonnig, ca. 18 °C Dienstags ist hier auf dem Lido Markt. Sarah, Esther und ich machen uns nach dem Aufstehen (und unseren Namen Erinnern) dorthin mit unseren Fahrrädern auf. Der Markt ist auf der breiten Uferpromenade, auf der wir vor ein paar Tagen Rad gefahren waren, mit Blick auf Venedig. Ein Kaufhaus auf Rädern ist dieser Markt, es gibt alles, was man braucht. Mehrere Stände mit Obst und Gemüse. Stände mit Süß, welches in 400g-Portionen verkauft wird. Mode neu und uralt. Selbstgebaute Möbel. Ein kleines Gartencenter. Unterwäsche. Jeder „Laden“ ist um einen Lastwagen oder Transporter herum aufgebaut, viele genau für diesen Zweck ausgebaut mit besonderen 180°-Markisen. Kleidungsstücke kann man in dem jeweiligen Transporter (als Kabine) ausprobieren. Der Markt ist voll. Man hat das Gefühl, viele Menschen kennen sich. Den einen Verkäufer, der an einer Bücke nur eine kleine Plane ausgebreitet hat und ein wildes Sammelsurium an Dingen verkauft, wird von vielen herzlich begrüßt. Einer Kundin zeigt er mit aller Fingerfertigkeit eines wahren Verkaufsgenies die hohe Qualität der Kopfkissenbezüge, die er in seinem Angebot hat. Für einen deutschen Wirtschaftsstudenten ist all so etwas sonderbar. In Deutschland ist alles auf höchste Effizienz getrimmt. Warenhausketten verhandeln die Preise aufs äußerste und senken sie dann noch einmal. Alles groß, neu, viel, gleich. Auch hier findet man an einigen Ständen das gleiche Sortiment, viele Verkaufswagen sehen irgendwie ähnlich aus. Aber das Ganze scheint noch eine Seele zu haben. Die Verkäufer verkaufen ihre Ware mit Stolz und irgendwie ist alles individuell. Wie sich das Ganze rechnet, muss man mir nochmal erklären. So individuell wie das Angebot sind auch die Besucher. Alte Damen,...
Venedig 16 – Tag 11: Über sieben Brücken gehen wir

Venedig 16 – Tag 11: Über sieben Brücken gehen wir

Montag, 10.10.2016 Wetter: sonnig, ca. 19 °C In trauter (und leicht ver-trauer-ter) Dreierrunde haben Mama, Papa und ich uns heute Morgen aufgemacht – Sarah und Esther haben nochmal dem Bett gefrönt. Unsere erste Station war die Kirche Salute, diese war nach dem Ende einer großen Pest aus Dankbarkeit gebaut worden. Eine wirklich schöne Kirche mit einem kostbaren Cosmaten-Boden (alten Marmor-Einlegearbeiten) und wunderschönen Seitenaltären. Von dort aus geht es zurück in den Sturm – naja, vielleicht nur starker Wind, schneidend kalt ist er heute. Wind = kaltes Wetter; Windstille = angenehme Temperatur. Wir gehen also lieber durch angenehm windstille Gässchen. Dann stehen wir vor einem Restaurant, wo wir schon öfter den Klogöttern mit dem Kauf von Espresso gehuldigt haben. Dies tun wir auch heute, dazu ein Croissant – das italienische Wort dafür ist irgendwie so unmerkbar und unaussprechbar. Das Croissant hier ist hingegen einfach perfekt: Eine mit einem Hauch Süße versehene Kruste, die genau richtig knusperig ist, umhüllt das luftige Innere, welches leicht nussig nach Butter schmeckt. Omnomnom! Frisch gestärkt geht es an das Ufer des „anderen Kanals“ und dort in 3 verschiedene Kirchen. Alle sehr schön. In der einen hängt eine Abendmahlsszene von Tintoretto (oder wie ich ihn ghettohaft nenne: „my boy Tinto!“) – die Farben sind einfach hinreißend, und wirklich gefallen tut mir, dass ein Türke (erkennbar an seinem Turban) mit am Tisch direkt neben Jesus sitzt. Vor der einen Kirche kann man sehr angenehm windgeschützt in der Sonne sitzen, wir entspannen etwas unsere reisezermürbten Füße. Ein Border Collie läuft umher, sein Besitzer redet mit einem Kioskbetreiber in der krispen Herbstsonnne. Der Collie hat eine Wasserflasche im Maul,...
Venedig 16 – Tag 10: Parfüm, Japan und moderne Kunst

Venedig 16 – Tag 10: Parfüm, Japan und moderne Kunst

Sonntag, 09.10.2016 Wetter: sonnig, ca. 19 °C Des Morgens sind wir in verminderter Stärke gen Venedig ausgelaufen. Sarah ist noch erkältet und Esther legt heute mit ihr einen Ruhetag ein. Also stechen nur drei Kochs in See und trennen sich auch direkt bei der ersten Haltestelle: Ich steige in St. Helena aus, Mama und Papa wollen in den schönen Markusdom in die Messe. Ich lasse mich einfach von meinen Füßen führen. Zuerst finde ich meinen Weg an die Spitze der Insel, und dort in die Marina – man kann einfach so rumgehen und so gehe ich bis zur äußersten Spitze. Von hier sieht man (fast) unser Haus auf dem Lido. Dann durch ein paar Anwohnerstraßen. Kaum ist man „off the beaten path“, ist Venedig so richtig verlassen und still. Ein Bimmeln zerreißt die Stille – mein Handy. Die Messe ist in der Seitenkapelle, also kein beleuchteter Dom. Wir fassen den Plan, in ein paar Palazzi zu gehen. Etwas schnelleren Schrittes und jetzt mit einem Ziel schreite ich gen Haltestelle Arsenale, um mir noch die Yacht anzugucken, die dort liegt. Angekommen, ist die eine, die ich sehen wollte, nicht mehr da, dafür aber zwei andere. Die Kamino kennen wir schon, dann die l’Albatros (43 Meter), eine Yacht, die man für zwischen 75 und 115 Tausend Euro die Woche chartern kann, und die Forever One. Mit dem Crew Member der Forever One, der auf die Tür aufpasst, rede ich ein paar Sätze. Richtig süß ist ja irgendwie, dass vor den Yachten jeweils zwei Stühle stehen und ein kleiner Teppich liegt, damit man seine Schuhe vor Betreten der Yacht ausziehen kann. Dann...
Venedig 16 – Tag 9: Heute Ruhetag

Venedig 16 – Tag 9: Heute Ruhetag

Samstag, 08.10.2016 Wetter: bedeckt und regnerisch, ca. 18 °C Wassertemperatur: 18 °C Sarah ist heute Morgen sehr platt und erkältet aufgewacht – nach etwas Überlegen hat sie sich entschieden zu Hause zu bleiben. Damit sie nicht allein ist (und das Wetter da draußen war auch echt fies), habe ich mich entschieden, auch zu Hause zu bleiben. Während Sarah nochmal eine Runde geschlafen hat, habe ich die Fotos der letzten Tage nachbearbeitet und wollte gerade anfangen Videos zu schneiden, als Papa wieder zur Tür reinkam. Er hatte sein Portemonnaie vergessen und den Beschluss gefasst, gegen seine Knieschmerzen heute Rad zu fahren und zu schwimmen. Für diesen Plan hat er auch mich begeistert und schon setzen wir uns wie die Affen auf unsere Schleifsteine. Wir radeln die gleiche Strecke wie letztens am Abend und dann weiter bis ganz zum Ende der Insel. Zunächst bei ziemlichem Regen, dann Nieselregen. Ganz in der Ferne schon einzelne sonnenbeschienene Türme. Dann irgendwann wärmt uns die Herbstsonne versöhnlich und ich kann meine Regenjacke ausziehen. (Übrig bleiben 3 Sporthemden, eine Daunenweste und eine Laufweste.) Die Insel endet eher unspektakulär in einem Fähranleger, einem Leuchtturm und einem Kontroll-Tower. Wir gucken natürlich auch rüber zur Nachbarinsel Pellestrina, die aber nach der Auskunft eines älteren deutschen Ehepaares gänzlich uninteressant ist (ein langer schmaler Schlauch: teilweise eng bebaut, teilweise Natur, ein sehr gutes Restaurant). Wir machen uns auf den Rückweg. Vorbei an alten Ferienanlagen und Hotels der 60iger, tollen Häusern, maroden Häusern und schönen Vistas. Nach gut zweieinhalb Stunden wieder zu Hause, war keine Sarah zu finden. Zettel an der Tür: Bin am Strand. Schnell eine Runde Eierkuchen zubereitet und in...
Venedig 16 – Tag 8: Sonne in den Straßen Venedigs

Venedig 16 – Tag 8: Sonne in den Straßen Venedigs

Freitag, 07.10.2016 Wetter: sonnig, windstill und ca. 19 °C Während die beiden, die den Altersdurchschnitt unserer Gang etwas anheben, schon richtig früh das Haus verlassen hatten, haben wir Jüngeren noch etwas länger geschlafen. Dann noch kurz E-Mails checken und dann ganz gemächlich los. Die Sonne scheint von ihrem einsamen Platz im tiefblauen Himmel, wir tuckern über die Lagune, wollen eine Station hinter San Marco aussteigen und merken zu spät, dass die Line 5.1 nicht den Canal Grande, sondern den „anderen Kanal“ langfährt. Ich frage mich, wievielen anderen Touristen es so geht wie mir… Man kennt den Namen des Canal Grande, aber dann gibt es da noch diesen anderen großen Kanal, durch den immer die Kreuzfahrtschiffe auslaufen – aber wie der heißt?! Kein Plan! Ich komme gleich zurück, wenn ich den Namen gegoogelt hab (um in wahrscheinlich morgen wieder vergessen zu haben). *Wartemusik* Also bei Google findet man es nicht. Auf der gedruckten Karte steht es auch nicht. Mama weiß es – dit Kind soll „Canal Giudecca“ heißen! Oder eben einfacher „dieser andere große Kanal“. Also in den besagten fahren wir rein und steigen an der ersten Haltestelle aus. Wir bahnen uns den Weg durch viele süße Gassen bis zur Gallerie dell‘Accademia. Direkt dort in einer Seitenstraße trinken wir drei Espressos und besuchen Hinterräume. An der Gallerie treffen wir Papa, der mit Mama schon Ewigkeiten die Bilder bestaunt hat, und retten ihn mit Picknick vor dem Verhungern. Gestärkt geht Papa zurück ins Museum, wir gehen über die Brücke dell‘Accademia und schlängeln/schleichen uns durch die Stadt bis zur Rialto-Brücke. Von dort gehen wir in das neu eröffnete Nobel-Kaufhaus „Fondaco Dei Tedeschi“...
Venedig 16 – Tag 7: Beach Bums finden einen Weg an den Strand

Venedig 16 – Tag 7: Beach Bums finden einen Weg an den Strand

Donnerstag, 06.10.2016 Wetter: sonnig, windstill und ca. 19 °C Wassertemperatur 20 °C Heute Morgen haben wir Urlaub vom Urlaub genommen, lecker Eierkuchen gefrühstückt, geredet, in der Sonne gesessen, und auf einmal war es zwölf. Da es wunderbar windstill war, sind wir nicht nach Venedig gefahren, sondern an den Strand gegangen. Dort sind wir erst lange zusammen den Flutsaum entlanggegangen. Danach hat Mama die Rufe der Kultur gehört und ist nach Venedig gefahren, während der Rest am Strand geblieben ist. Esther und ich sind in der Sonne eingepennt – ein guter Mittagsschlaf ist einfach herrlich. Dann haben Esther und ich eine Runde Beach-Workout gemacht und Sarah hat uns für ein kleines Spaßvideo gefilmt. Gut durchtrainiert, haben wir uns dann alle in die Fluten gestürzt. Das Wasser ist immer noch herrlich warm! Die Sonne sinkt immer näher gen Horizont, wir kommen ohne Begegnungen mit Quallen aus dem Wasser. Schnell abtrocknen und warm anziehen und dann mit gutem Hunger und Blick aufs Meer unser Picknick verschlingen. Weiter geht der Tag mit dem Plan, eine Runde Rad auf der Insel zu fahren. Die Drahtesel werden noch etwas gepimpt und dann geht es los. Unser Sammelsurium Zweiräder sieht etwas abenteuerlich aus, aber auf einer so flachen Insel ist das echt kein Problem (wofür braucht man zwei Bremsen oder eine funktionierende Gangschaltung?). Unsere Tour ist episch – die Uferstraße entlang geht es mit Blick auf die Lagune bei immer dunkler werdendem Himmel. Venedig funkelt im Wasser. Weit im Hintergrund leuchten und glitzern die Industrieanlagen auf dem Festland. Wow! Irgendwann ist es dann schon fast richtig dunkel und wir entscheiden uns umzukehren. Diesmal auf der Meerseite...