USA17 – Tag 14 + 15: Einmal quer durch 7 Staaten

USA17 – Tag 14 + 15: Einmal quer durch 7 Staaten

21.04. – 22.04.2017
Grand Rapids, Chicago, Cairo, Memphis, Jackson, Natchez

Nach einer viel zu kurzen Woche mussten wir uns wieder von Grand Rapids verabschieden. Wir haben die Zeit hier wirklich genossen und ganz besondere Freundschaften vertieft und ausgebaut.

Um 9 Uhr waren wir und unser Gepäck im Auto verladen. Nach einer Weile Reden über unsere herrliche Zeit in Grand Rapids sind dann alle eingeschlafen, bis auf Esther, die gefahren ist, und Papa, unserem Navigator. Und auf einmal waren wir dann vor den Toren Chicagos und Papa hat uns eine super Route rausgesucht, die uns einmal an der Küste entlang direkt an der Innenstadt geführt hat. Wir konnten noch einmal die gesamte Innenstadt von allen Seiten bestaunen. Ach, Chicago ist auch auf einen zweiten Blick noch eine super schöne Stadt. Dann rein ins Stadtgewirr, noch eine Pipipause und Fahrerwechsel. Ich übernehme das Steuer und auf geht es durch etwas Stau zum Flughafen O’Hare. Wie die Insekten kommen Autos an den Bordstein gefahren, um Passagiere auszuspucken und dann direkt wieder hinfortzuschnellen. Auch wir finden uns einen Platz an diesem Bordstein und lassen Esther schweren Herzens ziehen. Ewig war die Zeit, die wir zusammen unterwegs waren und genauso schnell auch wieder vorbei. Zu früh müssen wir Esther ziehen lassen um wieder die Schülerlein zu unterrichten. Nee, Esther sollte eigentlich noch bei uns bleiben!

Dann müssen auch wir uns wieder in den Tanz der Autos stürzen, Esther im Rückspiegel zurücklassen und unsere Tränen wegwischen. Der Tanz erlahmt sehr schnell zu zähem Verkehr, aber als Tourist kann man sich über so etwas freuen. Der zähe Verkehr ermöglicht uns, die Innenstadt nochmal von der andren Seite zu bestaunen, unter mehrstufigen Autobahnen durchzuschleichen (noch eine Ebene tiefer und ich bin mir sicher, man würde einen Eingang in den Hades finden), einmal die Freude einer Express-Lane erleben und dann doch wieder plötzlich liegt auch Chicago in unserem Rückspiegel. Tschüss, Lake Michigan, rein in das ewig Gleiche. Farm, Farm, Brücke, Baum, Brücke, Farm. Das alles – anders als in meiner Vorstellung – nicht leer und weit, nein, die Landschaft ist durchzogen von einem Spinnennetz an Telefon- und Strommasten, gekrönt von den immer gleichaussehenden Sendetürmen alle paar Kilometer. In der Landschaft ist zwar eigentlich nichts los außer Farmland, trotzdem wirkt sie zugerödelt. Der Mensch war hier und hat wahllos Unordnung geschaffen. Viele Stunden geht es so von Pipipause zu Pipipause, bis wir einen Walmart Megastore erreichen – mitten im Nichts eine gigantische Verkaufsfläche. Wir tapsen todmüde durch den Walmart und kaufen Proviant ein. Unter anderem zwei Grill-Hähnchen und Brot, das direkt im Auto verschlungen wird. Papa fährt währenddessen und ich schlafe direkt nach dem Essen tief und fest ein. Zwei Stunden später zieht noch die gleiche Landschaft an unseren Fenstern vorbei. Papa und ich wechseln uns wieder ab.

Irgendwann um kurz vor 22 Uhr erreichen wir unser Motel, checken ein und tragen unsere Sachen rein. Bald fallen wir in unsere Betten. Vor unserem Fenster brummt der Transformator, der diese kleine Ortschaft – Future City / Cairo – mit Strom versorgt. Mal pulsiert der Ton schnell, mal langsam. Das Brummen findet seinen Weg in meine Träume und ich schlafe unruhig auf einem super weichen Bett.

Um 9 Uhr stehen wir auf und frühstücken. Irgendwie lecker, dieses amerikanische Essen, besonders die Waffelmaschine wird rege genutzt. Unsere Tischnachbarn – beide schon etwas länger auf Planet Erde – fragen uns, wo wir denn herkommen, und wir reden etwas.

Als es an der Zeit ist, das Auto einzupacken, regnet es in Strömen, aber uns gelingt es doch, nur halbwegs nass ins Auto zu kommen. Papa hat einen großen Regenschirm und hilft noch einigen anderen Gästen, trockenen Fußes zu ihrem Auto zu kommen.

Auf dem Weg zum Mississippi fahren wir durch den eigentlichen Ort Cairo. Das alte Zollgebäude, die Bibliothek und die Stadtverwaltung, aus behauenen Sandsteinen gebaut und sehr groß, singen ein trauriges Leid im Zusammenspiel mit verlassenen Gebäuden – irgendwann mal vor langer Zeit war dieser Ort mit Leben gefüllt und hatte Bedeutung.

Unser erstes Ziel ist die Stelle, an der der Ohio River und der Mississippi zusammenfließen. Zum Glück sind wir in den USA und man kann bis genau an diese Stelle mit dem Auto fahren. Bei strömendem Regen können wir dieses kleine Wunder vom Auto aus angucken. Zwei riesige Flüsse fließen wie ein Y zusammen und sind danach noch viel breiter. Wir staunen eine Weile – auch über die Lastkähne, die sich durch die Fluten meandern – 5×5 große Baken, zusammengebunden, von einem Boot geschoben.

Es gibt eine Brücke über den Ohio River und eine über den Mississippi; wir fahren über beide einmal hin und zurück und dann fährt Papa auch nochmal über beide, damit auch ich rausgucken kann. Wir besuchen also zweimal kurz Kentucky und sehen keine „Fried Chicken“… Das Brücken-Fahren hat sich wirklich gelohnt!

Ich übernehme wieder das Steuer und weiter geht es durch Missouri, die Landschaft ca. genauso wie gestern. In Arkansas wird die Erde dunkler. In Mississippi sind dann die Ränder der Interstate 55 dicht bewaldet. Hier ist der Sommer schon angekommen und alles Blattwerk ist tief grün.

Nach einer Weile landen wir in Memphis und entscheiden uns spontan, ein wenig durch die Innenstadt zu cruisen. Es gibt einen kleinen Streifen mit Innenstadthäusern, direkt darum herum sind die Häuser schon sehr verwahrlost. Insgesamt macht die Stadt einen traurigen Eindruck. An einer Stelle der Innenstadt sind viele Bars und die Straße ist für ein Corvette-Treffen gesperrt. Überzeugt, dass wir genug von Memphis gesehen haben, lassen wir die Stadt – nach kurzer Burger King Pause – hinter uns und fahren weiter Meile für Meile die Interstate 55 lang.

Ein weiterer Stopp sollte das State Capitol in Jackson werden, allerdings waren alle Straßen in die Innenstadt so verstopft, dass man noch nicht einmal von der Interstate abbiegen konnte. Das Handynetz war von den Menschenmassen völlig überlastet und wir hatten lange kein Internet, um zu gucken, ob man irgendwie doch in die Innenstadt kommen könnte.

Also weiter auf der Interstate 55, die langsam aber sicher in Regen und Dunkelheit verhüllt wird. Irgendwann biegen wir dann auf eine State Street ab und kommen nach vielen weiteren in Dunkelheit und gelegentlichen Regen gehüllten Tälern in Natchez an.

Wir müssen etwas suchen, bis wir unser Motel gefunden haben – dieses bei weitem nicht so schön wie das in Cairo, aber fast so teurer. Wir sind in einer Touri-Gegend.

Auspacken, etwas essen, Blog schreiben und Bett.

 

(Wenn wir besseres WLAN haben, folgen weitere Bilder.)

 

USA17 - Tag 1: "Berlin! Berlin!"

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