Venedig 16 – Tag 1: Brügge nicht sehen und nicht sterben

Venedig 16 – Tag 1: Brügge nicht sehen und nicht sterben

Freitag 30.09.2016 und auch der nächste Tag
Wetter: mild, ca. 20 °C

Reisetag. Das erste Abenteuer einer Reise ist immer die Vorbereitung, besonders wenn es in eine Ferienwohnung geht. Alle Essentials müssen gepackt werden und dann muss alles in eine Anzahl Koffer und Handgepäcke portioniert werden, die der Anzahl der Reisenden entspricht. Aber es gilt auch, auf jeden Fall für Besitzer von 3D-Druckern noch letzte intelligente Erfindungen zu perfektionieren und zu drucken. So habe ich gestern noch ein Rucksackträgerzusammenhaltsystem entworfen und produziert – mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Die Erprobung beginnt morgen. Ein Produktvideo wird folgen.

Also alle Vorbereitungen sind getroffen, eine Anzahl Gepäckstücke der Reisegruppengröße entsprechend steht im Flur, da heißt es: Auf 3 geht’s los. Alles in die Karre. Die Karre, der moderne Lastenesel, die hoffentlich groß genug ist, um all den Kram in seinem Innenraum zu beherbergen.

Nächste Station ist dann der Ort, der so herrlich nach Kerosin riecht. Für umweltbewusstere Menschen vielleicht ein Geruch, der alles das verkörpert, was verkehrt ist mit der Welt, aber für mich seit meiner Kindheit der Geruch von Abenteuer. Besonders in Hannover-Langenhagen weht einem teilweise schon Kilometer vor dem Flughafen auf der Autobahn das Parfüm der Abenteuer entgegen. Der olfaktorische Start in das Unbekannte – auf einer Reise werden einem noch viele unbekannte Gedüfte entgegenschlagen (manche gut, manche schlecht) – anfangen tut das Geruchsabenteuer Flugreise immer mit dem herrlichen Geruch von Kerosin, das von durchstartenden Jets in die Atmosphäre geblasen wird. Wunderbar!

Um unsere Ökobilanz zu verbessern, sind wir den ersten Leg unser Reise allerdings mit einer Bombadier Dash 8 Q400 geflogen – einem Turboprop-Flugzeug – sehr sparsam die Teile, fast so grün wie Radfahren.

Der erste Flieger hatte Verspätung, allerdings war das alles vergessen, als ich beim Einsteigen ins Cockpit geguckt hab und die Piloten mich zu einem Schnack aufs Flight Deck eingeladen haben *Kindheitsträume werden wahr*. Von nun an kann ich Flybe ohne Einschränkungen empfehlen. Sie haben das kindliche Leuchten in meinen Augen gesehen und haben mir einen Moment ihrer Zeit geschenkt. Als Kind wollte ich Pilot werden und Fliegen hat selbst nach all den Reisen immer noch eine magische Anziehungskraft auf mich.

Start in den Urlaub – ob mit oder ohne Verspätung – perfekt gelungen.

Also rauf in die Lüfte unter dem ökologisch vertretbaren Geheule der zwei Turboprob-Triebwerke. Wer wusste, dass Sprit sparen so laut sein kann…?

Kaum oben, einmal quer übern Ruhrpott, direkt wieder runter nach Brüssel – eben nicht Brügge. Dann schnell den Connecting Flight erhaschen – wir wollen ja nicht belgische, sondern italienische Kanäle beglotzen. Diesmal ein größeres Flugzeug (der gute allgegenwärtige Airbus A319) und auch keine Audienz im Cockpit, dafür dann irgendwann ein wenig Gerüttel. Dieser Flug etwas länger und wir haben sogar freiwillig Flugzeugessen gekauft – bei dem Gepacke wird halt wenig gegessen.

Dann umhüllt uns italienische Luft, warm und weich, direkt beim Herausquellen aus dem Eisenvogel. Erst ein Bus, dann ein wenig Gehen, dann Koffer von dem Koffer-Umherfahr-Ding reißen. Erst einer, dann zwei, dann drei, dann vier, dann… warten. Noch ein bisschen warten. Dann sind alle Koffer vom Band. Es kreiselt sinnfrei, geistlos, leer immer weiter. Unser letzter Koffer nicht in Sicht.

Konsequenz: Papa macht sich auf die Suche nach dem Koffer – was italienisch lang dauert – wir sitzen vor dem Bootssteg und warten. Das vorletzte Boot ist uns vor der Nase weggefahren. Nach einer Stunde warten soll das letzte Boot in 7 Minuten abfahren (0:40 Uhr). Papa ist immer noch nicht da. Die Spannung steigt. Der Laptop wird schon mal eingepackt.

In letzter Sekunde kommt Dad angerannt, Fahrkarten vorgezeigt, rauf auf den Kahn und dann chooo chooo aufs Wasser.

Die Fahrt über die Lagune in der schwarzen Nacht ist noch genauso magisch wie beim letzten Mal. Das Boot hievt sich mit brüllenden Motoren durch die teerschwarze Masse. Die Müdigkeit steigt in uns allen und wir sehnen uns nach unserem Bett.

Nach einer Stunde sind wir dann am Lido angekommen, runter vom Wasserbus und all unsere Plünnen gen „zu Hause“ schleifen. Angekommen brennt das Außenlicht für uns. Die Wohnung ist mindestens so schön wie letztes Mal. Alle glücklich. Kurz noch räumen. Dann tief schlafen.

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Venedig 16 – Tag 2: Strand, Sport, Sonne, Lido, Venedig

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