Venedig 16 – Tag 10: Parfüm, Japan und moderne Kunst

Venedig 16 – Tag 10: Parfüm, Japan und moderne Kunst

Sonntag, 09.10.2016
Wetter: sonnig, ca. 19 °C
Des Morgens sind wir in verminderter Stärke gen Venedig ausgelaufen. Sarah ist noch erkältet und Esther legt heute mit ihr einen Ruhetag ein.

Also stechen nur drei Kochs in See und trennen sich auch direkt bei der ersten Haltestelle: Ich steige in St. Helena aus, Mama und Papa wollen in den schönen Markusdom in die Messe. Ich lasse mich einfach von meinen Füßen führen. Zuerst finde ich meinen Weg an die Spitze der Insel, und dort in die Marina – man kann einfach so rumgehen und so gehe ich bis zur äußersten Spitze. Von hier sieht man (fast) unser Haus auf dem Lido.

Dann durch ein paar Anwohnerstraßen. Kaum ist man „off the beaten path“, ist Venedig so richtig verlassen und still. Ein Bimmeln zerreißt die Stille – mein Handy. Die Messe ist in der Seitenkapelle, also kein beleuchteter Dom. Wir fassen den Plan, in ein paar Palazzi zu gehen.

Etwas schnelleren Schrittes und jetzt mit einem Ziel schreite ich gen Haltestelle Arsenale, um mir noch die Yacht anzugucken, die dort liegt. Angekommen, ist die eine, die ich sehen wollte, nicht mehr da, dafür aber zwei andere. Die Kamino kennen wir schon, dann die l’Albatros (43 Meter), eine Yacht, die man für zwischen 75 und 115 Tausend Euro die Woche chartern kann, und die Forever One.

Mit dem Crew Member der Forever One, der auf die Tür aufpasst, rede ich ein paar Sätze. Richtig süß ist ja irgendwie, dass vor den Yachten jeweils zwei Stühle stehen und ein kleiner Teppich liegt, damit man seine Schuhe vor Betreten der Yacht ausziehen kann.

Dann geht es weiter entlang des Ufers und rein ins Häusergetümmel und da treffe ich Mama und Papa. Gemeinsam machen wir uns auf zum Bootsanleger und schippern, wieder ganz langsam, den Canal Grande rauf (die Geschwindigkeitsbegrenzung scheint also zu allen Tageszeiten zu gelten). Wir besuchen zuerst den Palazzo Moncenigo, in dem das Piano Nobile zu sehen ist – die obere Hauptetage, deren Räume noch fast vollständig mit der originalen Ausstattung versehen sind. Sehr schön anzuschauen. Ein paar Raume sind der Parfümkunst Venedigs gewidmet und man kann an verschiedenen Sachen riechen – nachdem Marco Polo mit Moschus zurückgekehrt war, wurde Venedig gänzlich verrückt nach Gerüchen und alles wurde parfümiert, selbst Münzen. Venedig wurde so zum Zentrum der Parfümherstellung.

Von dort aus sind wir in die Ca‘ Pissarro gegangen. Eine gigantische alte Villa direkt am Canal Grande, deren Erbauung 50 Jahre gedauert hat. Hier ist die „moderne“ Kunst ausgestellt, also Werke zwischen 1895 und 1930. Einige wirklich tolle Bilder sind dabei – besonders einige Italiener um die Jahrhundertwende (ähnlich den Bildern, die mich schon in Florenz im Palazzo Pitti so begeistert hatten). Im Sonderausstellungs-Stockwerk ist eine Sonderausstellung – sehr sonderbar. Es hat irgendetwas mit Chanel und Lagerfeld zu tun. Da gibt es viele Bücher in Vitrinen und zwischendrin Skizzen von Picasso. Dann ein Raum mit Kleidungsstücken und dem Ding, das das betreffende Design inspiriert hat. Es gibt auch einen Katalog, der einem am Anfang in die Hand gedrückt wird. Dieser ist im Format A5 und 2 cm dick, die Schrift ist so winzig, dass selbst ich mit meinen Adleraugen – in den besonders abgedunkelten Räumen – kaum etwas entziffern kann (wozu die überproportional großen weißen Ränder auf den winzig bedruckten Seiten???). Wie ein verstandloser Blinder tappst man verloren, durch den Katalog klaubend, durch die Räume und weiß am Ende immer noch nicht, was das ganze hätte darstellen sollen. Kunst halt.

Das letzte Stockwerk ist eine Japansammlung. Wirklich erstaunlich, was ein Mann so alles zusammengekauft hat. Räume voll japanischer Kunstgegenstände. Kostbarste Lackarbeiten, Truhen, Tabakdosen, Spiele,  Boxen, Schwerter, Pfeilköcher, herrliche Lackdosen für Schreib-Utensilien…

So kulturell gestärkt, machen wir uns Richtung Markusdom auf – diesmal soll der Dogenpalast besucht werden. Dort angekommen – durch viele winklige Gassen und Touristenmassen – entschließen wir uns, da Sarah und Esther nicht zu uns stoßen werden und außerdem das Wetter noch zu schön ist, einfach noch ein bisschen umher zu streunen und dann in die Abendmesse in den beleuchteten Markusdom zu gehen. Gesagt, getan.

Vor der Messe stelle ich fest, dass mein Genick nicht gerne eine Stunde eine magische goldene Decke angucken mag. So mache ich mich dann doch lieber auf den Weg nach Hause. Ich gehe nochmal das Ufer entlang. Gucke mir nochmal die Yachten an. Rede nochmal mit jemandem von der Forever One (es fühlt sich für den Dörfler in mir unhöflich an, so nah an jemandem dran zu stehen und Fotos zu machen und nicht wenigstens etwas zu sagen). Dann in St. Elena aufs Boot und nach Hause.

Mit Esther zusammen entstehen Nudeln mit roter Soße und wir gucken die Pilotfolge von der neuen MacGyver Serie – gefällt uns echt gut.

Dann sind auch schon Mama und Papa da. Mit Mama gucken wir noch eine Folge Miss Fisher, und jetzt, wo der Blog weitergeführt ist, sinke auch ich in mein Bett.

Diesmal sogar vor zwölf. Das kann nur eine erholsame Nacht werden.

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