Venedig 16 – Tag 13: Wenn die Sonne scheint, geht man ungern rein

Venedig 16 – Tag 13: Wenn die Sonne scheint, geht man ungern rein

Mittwoch, 12.10.2016
Wetter: sonnig, ca. 18 °C

Jeden Morgen gehen wir die Uferpromenade entlang zum Bootsanleger und der Weg ist gerade genau richtig lang. Man hat einen herrlichen Ausblick über die Lagune nach Venedig und an so klaren Tagen wie heute sieht man im Hintergrund auch die Dolomiten, deren Kuppen mehr und mehr von Schnee bekrönt werden.

Auf dem Boot nach Venedig bekommen wir heute Sitzplätze ganz vorne im Bug. Eine Sicht, die wir mit bitterer Kälte bezahlen. Morgens ist es mittlerweile doch recht kalt. Oder – natürlich, ich bin einfach kein Morgenmensch.

Der eigentliche Plan war es, bis zum Fischmarkt zu fahren und dort herumzugucken, aber bei dem herrlichen Sonnenschein und unseren Premiumplätzen ganz vorne im Boot entscheiden wir uns, einfach noch bis zur Endstation am Bahnhof zu fahren. Die Sonne leuchtet die eine Seite des Kanals wirklich toll aus, die andere wird in tiefe Schatten gehüllt. Diese Reise ist es das erste Mal, dass ich den ganzen Canal Grande runterfahre, und es ist der perfekte Tag. Es trifft also zu, was Papa sagt: „Pläne sind die Leitplanken auf dem Weg zu Besserem“. Auf jeden Fall im Urlaub.

Vom Bahnhof gehen wir dann zu Fuß eine Hauptroute zur Rialto-Brücke. Dicht an dicht reihen sich Restaurants, Souvenirläden, Deckengeschäfte, Stoffgeschäfte, Bars (die auch Häppchen und Kaffee verkaufen), Eis-Läden und Handyshops aneinander, den ganzen Weg bis zur Rialto Brücke. Wir gucken mal hier und mal da und gehen auch in einige Kirchen. Eine Straße zum Seele-baumeln-lassen.

An der Rialto-Brücke gehen wir erstmal in die Nobel-Mall Fondaco dei Tedeschi. Die Gründe sind zweierlei, der zweite Grund ist die herrliche Aussichtsplattform auf dem Dach. Ich stehe schon an, und kaum sind Mama und Papa bei mir, sind wieder genügend Schaulustige von der Terrasse runter, sodass wir auf den Ausguck dürfen.

Diese Terrasse ist ein absoluter Tipp. Besonders in der Mittagszeit steht die Sonne optimal – der Fondaco befindet sich an einer Kanalbiegung und so hat man in beide Richtungen den Canal vor sich, schön beleuchtet. Von der einen Seite der Aussichtsplattform aus sieht man die Ca‘ Foscari und den Lido, von der anderen blickt man auf die Ca‘ d‘Oro und die Inseln. Selbst Torchello und Burano kann man wunderbar in der Ferne erkennen. Natürlich kann man auch herrlich über alle Dächer gucken, bis man im Hintergrund die großen Kreuzfahrtschiffe sieht. Hier oben verbringen wir eine ganze Weile, der Blick in alle Richtungen ist wirklich fantastisch.

Dann raus aus dem Nobelschuppen und rein in das schnöde Gewühle, rüber über DIE Brücke und nachsehen, ob der Fischmarkt noch offen hat. Aber um 13 Uhr ist alles schon eingeräumt, alle Spuren des Fischmarktes sind verschwunden, nur an einer Ecke zieht einem noch der Geruch des Aus-dem-Meer-Gefischten in die Nase. Ich mag ja den Geruch von Fischmärkten! Jeden Tag wäre es mir natürlich etwas fies, aber ab und an ist es irgendwie herrlich. Da will man direkt selber irgendetwas in seinen Garten grillen.

Also kein Fischmarkt, dafür in ein paar Kirchen, die noch aufhaben. Ziel dieses Tagesplan-Abschnitts ist die Kirche S.Maria dei Miracoli, die vor 1500 mit der kräftigen Unterstützung der Bürger errichtet wurde, um ein wundertätiges Marienbild aufzubewahren. So etwas hat man noch nicht gesehen, einfach fantastisch! Außen und innen ist der komplette Bau mit verschiedensten Marmorplatten und Marmormaßwerk verziert. Die Decke ist mit über 50 Bildern von Propheten und Patriarchen in einer Tonnenkassettendecke geschmückt. Die Steinmetzarbeiten sind alle richtig detailliert und präzise ausgeführt. Das Ding ist weniger Kirche und mehr Schmuckkasten. Erschlagen von der Schönheit und weil Sarah und Esther gleich zu uns stoßen wollen, schlafe ich in der ersten Reihe beim Warten ein – zum Glück sitzt Mama neben mir und leiht mir ihre Schulter. Erholsam. Ich weiß nicht, was das ist, aber die letzten Tage bin ich immer wieder nachmittags echt müde. Eigentlich bin ich überhaupt kein Mittagsschlaftyp. Es ist bestimmt eine Mischung aus Venezianer-Krankheit (zu viel Kultur) und der frischen Brise.

Mit den Schwestern geht es dann über Bücken und durch Labyrinthe, bis wir bei Ospedale sind. Zuerst sitzen wir eine Weile in der Sonne, ich knete Sarahs Genick etwas durch, Mama und Esther malen etwas. Dann erreichen uns die Schatten der Gebäude und wir machen uns wieder auf die Socken.

Wir besichtigen zuerst die Scuola San Marco, ein prächtiges altes Gebäude, damals angegliedert an ein großes Kloster mit riesigen Kreuzgängen und herrlichen Innenhöfen. Heute ist alles in das Krankenhaus integriert. Wir gehen in die Eingangshalle, riesig und schön gestaltet, dann mal diesen Gang und jenen lang. In den Innenhöfen sind einige schlafende Katzen – bestimmt helfen diese süßen Fellknäuel den „Insassen“, schneller gesund zu werden.

Dann geht es in die Kirche neben der Scuola (Santi Giovanni e Paolo). Die ist echt riesig, 103 Meter lang und 37 Meter hoch. Wenn man sich jetzt vorstellt, dass die eine private Yacht, die hier in Venedig ihren Liegeplatz hat, genauso lang ist… Wow, das Teil ist groß!

Nach und nach sammeln wir uns vor der Kirche in der Sonne und essen noch etwas Picknick. Wie gestern schon sind auch hier wieder die Kinder los, die Eltern sitzen am Rand und palavern, der Platz ist voller Kinder aller Altersklassen, die laut schreiend umherlaufen. Vielleicht ist es hier ja Usus, dass sich am späten Nachmittag das Stadtviertel auf den großen Plätzen zum Spielen trifft.

Wir gehen noch ein wenig durch schöne Gassen. Sarah und ich machen uns dann schon mal auf den Heimweg über San Marco. Eine Straße spuckt uns direkt am Bootsanleger aus – komplett aus Intuition – dann kommt auch noch direkt unser Boot und wir bekommen ganz vorne einen Sitzplatz. Und dann kommt auch noch ein Kreuzfahrtschiff, welches lange direkt neben uns her geschleppt wird. Wir sind ganz nah dran und können das Riesenboot in seiner ganzen Pracht bestaunen. Ob man wirklich länger auf so einem Teil sein wollen würde, weiß ich nicht. Aber mal ein modernes Kreuzfahrtschiff angucken, das würde ich schon mal gerne. Am besten mit Besichtigung der Brücke. Das Timing für unsere Rückfahrt war mehr als perfekt! Auch ist es von Vorteil, dass es schon dunkel ist, denn so kann man in die großen Fenster des Kreuzfahrtschiffes reingucken und sieht die kleinen Ameisenmenschen in den drei Glasaufzügen auf- und abfahren.  Eine schwimmende Stadt!

In Lido an Land gegangen, geht es dann schnell nach Hause. Ich koche Fusilli (dat dauert eeewig, bis die gar sind) und dabei gucken wir Battlestar Galactica, dann werden sie noch mit Käse kross gebraten und wir gucken weiter.

Der Rest trudelt ein und macht sich auch noch Essen. Beim Aufessen des abendlichen Mahles gucken wir eine Folge Miss Fisher – wie immer sehr spannend und toll gemacht.

Nun, satt und entertained, geht es ins Heiabett.

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