Venedig 16 – Tag 4: Reif für die Insel

Venedig 16 – Tag 4: Reif für die Insel

Montag, 03.10.2016
Wetter: windig und sonnig, ca. 21 °C

Heute Morgen sind wir schon früh aufgestanden, und kaum als wir nach Burano aufbrechen wollten, hat es angefangen zu regnen. Also haben wir uns noch eine Stunde verbreitert, bis der Regen aufgehört hatte.

Dann trippel-trappel zum Bootsanleger bei schönstem Sonnenschein und rauf aufs Schiff nach Burano. Am Ufer hatte man es noch nicht so gemerkt, aber auf dem Schiff war fast genug Wind um abzuheben – einfach die Jacke aufspannen und wie ein Adler in die Lüfte. Zum Glück ist die Luft noch nicht so kalt, dass wir wirklich doll gefroren haben, nur grade richtig ordentlich. Die Fahrt dauert so ca. eine Stunde und die Sicht war total klar. Die Dolomiten ragen im Hintergrund gen Himmel – es sieht fast so aus, also würden sie sich direkt aus dem Ufer emporheben, aber sie sind ca. 50 km weg.

Kurz vor dem Stadium „Eisblock“ sind wir in Burano angekommen – diese Insel ist auch beim zweiten Besuch noch magisch. Die bunten Häuser, die dicht gedrängt an Ufern und Kanälen stehen, sehen einfach unwirklich aus. Wir haben wieder das Glück, perfekte Beleuchtung zu haben, die Häuser sind quietsche-bunt gegen den tiefblauen Himmel.

Einmal quer über die Insel gehen wir in die Kirche, auf dem Weg dorthin verlockt uns eine Bäckerei zum Eintreten und ein Obst- und Gemüsehändler. In der Kirche sitze ich in der letzten Reihe, als eine deutsche Walküre und (wahrscheinlich) ihr Sohn (beide schon mehr als ein paar Jahre erwachsen) sich neben mich setzen / fallen lassen. (Folgendes ist etwas überzogen.) Nach kurzem Schweigen sie – ihr Gesicht erinnert an die Riesen aus Narnia – auf die Blumen im Altarraum guckend: „Wunderschön… sowas will ich dann auch haben.“ Eine kurze Unterhaltung folgt, aus der hervorgeht, dass sie über eine Beerdigung reden. Er daraufhin – sein Gesicht etwas einfältig: „Und Taschentücher!“ Sie, ohne eine Wimper zu zucken: „Nein, das wäre übertrieben!“ – Ich hoffe, es dauert noch lange, bis ich meine Beerdigungsvorbereitungen so abgebrüht abarbeiten kann…

Nach dem Kirchenbesuch gehe ich mit Sarah schon mal vor zu „unserem“ Platz. Dort hat man einen fantastischen Blick über die Lagune auf Venedig, außerdem – und das ist zu diesem Zeitpunkt fast wichtiger als der Ausblick – kann man dort sehr gut einen kleinen Mittagsschlaf halten. Irgendwann, als ich erst dreiviertel ausgeruht bin, fängt der Wind wieder an so richtig aufzufrischen und die Gemütlichkeit ist dahin. Zum Glück kommen passend Esther und Papa mit dem Proviant und wir teilen uns eine ganze Reihe verschiedener ortstypischer Backwaren und essen etwas Tomaten.

Völlig durchgepustet fliehen Sarah und ich in den Windschatten, gerade als Mama zu uns stößt. Die anderen drei bleiben noch „ein kleines Weilchen“ – ich spoilere direkt mal: Esther ist auf der Kaimauer eingeschlafen, dann Papa auch, und sie haben fast die gesamte Mittagszeit dort verbracht. Ferien haben eben was mit Entspannung zu tun. Sarah und ich sind einfach drauf los gewandert und haben uns recht schnell an der Bücke rüber nach Mazzorbo wiedergefunden und uns entschlossen, rüber zu gehen. Es sind hauptsächlich Wohnhäuser – bewohnte gut durchgemischt mit den gelegentlichen unbewohnten. Immer weiter sind wir geschlendert. Irgendwann haben wir eine wunderschön restaurierte Kirche gefunden und reingeguckt. Die Insel ist fast wie ausgestorben, insgesamt sieben Touristen, ein Mann mit Hund, ein Mann in seinem Boot, ein Mann, der geraucht hat, und eine alte Dame in einem Fenster haben wir auf unserer Inselumrundung gesehen. Der Rest hat wahrscheinlich Siesta gehalten. Kurz bevor wir die Insel zu Ende umrundet hatten, rief „der Rest“ an und wir haben uns am Bootsanleger verabredet.

Da wir als erste am Bootsanleger waren, habe ich noch schnell eine Portion Pommes gekauft – der Eckimbiss ist einfach „picture perfect“. Ein kleines rotes Haus mit Holznamensschild, süße kleine Tische und Bänke davor, intensive Sonne und der Geruch frittierten Fisches. Das macht einfach Hunger, besonders am Hafen.

Anschließend geht es dann in die Fähre den kleinen Hopp rüber nach Torchello. Hier ist es nochmal ein Stück besinnlicher. Interessanterweise verströmt die Insel Torchello diese Besinnlichkeit, obwohl recht viele Leute mit uns vom Boot gehen. (Nicht alle scheint die Insel zum Langsamer-Treten zu verleiten. Ein amerikanisches Pärchen, das mit uns vom Boot gegangen war, ist uns wieder entgegengekommen, wo wir noch nicht einmal die Kirche erreicht hatten – ganz nach dem Motto been there, done that, bought a T-Shirt…

Zuerst sind wir in die vordere uralte kleine Kirche gegangen, wunderschön – aber die Luft dort drin scheint mindestens so alt wie das Gemäuer zu sein. Kein Ort, der zum Verweilen einlädt. Also Tickets kaufen für die Hauptkirche – diesmal gehen wir auf den Turm. Eine sehr gute Entscheidung. Die Kassiererin hat recht „Beautiful view that upstairs you can the see!“ – der Ausblick ist phänomenal. Wir bleiben fast eine Stunde auf dem Turm und gucken von allen Seiten mehrfach runter. Besonders der Ausblick auf Burano lässt den Ort noch irrealer aussehen, so klein und gedrängt stehen die Häuser der Insel. Sie ist so voll, dass wenn man auch nur ein Haus mehr bauen würde, mindestens ein anderes in die Lagune plumpsen würde.

Nach dem Kirchturm geht es noch in die Kirche. Die großen, 1000 Jahre alten Goldmosaiken sind einzigartig!

Mama bestaunt mit ihren Kenneraugen die Kirche noch etwas länger, während wir jungen Leute etwas Koffein tanken. Dann geht es mit sinkender Sonne zurück zum Bootsanleger. Perfekte Zeit, um Fotos zu machen.

Heimwärts geht es dann mit untergehender Sonne, die Lagune glitzert rot und blau. Der Mond geht in einer dünnen Sichel auf. Der Tag weicht der Nacht. Das alles erleben wir auf dem Schiff, auf der ersten Etage ganz vorne. Ein Naturspektakel. Zu guter Letzt gleitet noch ein Kreuzfahrtschiff zum Greifen nah an uns vorbei. Ein gigantischer Abschluss!

Zu Hause koche ich wieder, dann etwas Erzählen, jetzt in die Federn.

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