Venedig 16 – Tag 6: Umherstreifen wie die Wölfe

Venedig 16 – Tag 6: Umherstreifen wie die Wölfe

Montag, 04.10.2016
Wetter: sonnig, ca. 18 °C

Heute sind wir zu guter Vormittagsstunde aufgebrochen, aber nicht in der Herrgottsfrühe, die eine Kirchentour erfordert hätte – von 12 bis 16 Uhr (Zeiten je nach Kirche etwas verschieden) ist die gute alte Mittagspause. Die erste Kirche, in die wir gehen wollten, hatte sogar schon um 11 „Mittagspause“ – tja ja, man muss Essen fassen, solange es warm ist. Genau so hab ich das heute Morgen gemacht und an Fondamente Nuove erstmal ein leckeres Stück Salamipizza verdrückt. Omnomnom! Die gleichmäßige Verteilung von Mozzarella muss ich unbedingt noch meistern.

Also die erste Kirche hatte zu und da haben wir direkt das Handtuch geschmissen und den Plan aufgegeben – ein andermal, wenn wir zu dem Herrn gefälligeren Zeiten aus dem Bett fallen, werden wir es mit den Kirchen nochmal versuchen.

Zunächst sind erstmal etwas hier und da rumgegangen und haben dann einige Palazzi angeguckt, die kostenlose Ausstellungen für die Architektur-Biennale beherbergen. Dann haben wir einen Coop gefunden und eine Zwischenstärkung eingelegt. Daraufhin sind wir in die Ca‘ d‘Oro gegangen – einem Palazzo, der zu seiner Blütezeit aquamarin gestrichen war und das steinerne Maßwerk vergoldet. Der Kassierer ist ein Mann mit Humor: Mama und Esther sind noch in einem Stoffgeschäft und auf die Auskunft hin, dass die Frauen noch im Geschäft sind (und nachkommen werden), hat er sehr wissend geantwortet „Natürlich sind sie das!“

Die Ca‘ d‘Oro bietet eine gute Auswahl italienischer Meister aus dem 15. Jahrhundert in der ersten Etage und in der zweiten aus dem 16. Jh. Italiener und Niederländer, alte Fresken und Plastiken. Auf jeder Etage kann man von einer großzügigen Terrasse aus durch prächtiges Stein-Maßwerk hindurch den Kanal Grande auf- und abschauen.

Irgendwann sind Sarah und ich mit dem Museum fertig und beschließen, schon mal rauszugehen; die anderen wollen bald nachkommen und werden uns dann anrufen.

Also machen Sarah und ich uns ganz gemächlich in Richtung Bahnhof auf. Wir gucken hier, gucken dort, unterhalten uns über die Menschen, die um uns strömen. Rechts (und nicht, wie ich fester Überzeugung war, links) liegt ein Coop, wir kaufen richtig leckeres Olivenbrot und Hirtenkäse, Chips und Grapefruit-Drink. Auf einer nahegelegenen Brücke – unter dem wachsamen Auge vieler fliegenden Ratten (Stadttauben sind im Gegensatz zu Bioland-Taubenzüchter-Tauben echt erschreckend degeneriert) – verspeisen wir unser super leckeres Picknick. Dann rollen wir weiter die Straße hinab.

Irgendwann – viele Läden, große und kleine Kirchen, interessante Italiener, Italienerinnen, Amis und ein Sammelsurium anderer Nationalitäten später – sind wir am Bahnhof. Pünktlich zum Erklimmen der Brückentreppe auf die andere Seite des Canal Grande ertönt das unwirsche Gebimmel meines kleinen Reisehandys (man fühlt sich damit fast wie ein Krimineller, der das Handy nach einem Gespräch wegschmeißt). Die anderen sind nun auch fertig, werden picknicken und dann wollen wir uns irgendwo dort treffen.

Sarah und ich entscheiden uns, auf der anderen Seite zur Rialto-Brücke zu gehen, da zu erwarten ist, dass eine Vaporetto-Fahrt gleichlang dauert. Eine gute Entscheidung! Erst gehen wir ein paar Inseln lang durch Wohnviertel (Venedig ist auf ganz vielen kleinen Inseln gebaut, jede Insel ist mit der nächsten durch Brücken verbunden, dazwischen eine Wasserstraße). Dann finden wir uns auf etwas belebteren Straßen wieder. Schließlich sind wir an der Rialto-Brücke im Zentrum der Tourie-Maschinerie.  Einmal die Stufen der Brücke hoch, etwas keuchen, und wieder runter. Auf der anderen Seite besuchen wir das Coin bzw. seine Örtlichkeiten (wie sich später raustellt, erinnert sich der eine Mitarbeiter am Eingang an uns vom letzten Jahr und hat eine Runde mit Dad gequatscht… Wir müssen unter so vielen Touristen doch einen Eindruck hinterlassen – darüber muss ich erstmal nachdenken…). Dann finden Sarah und ich unseren Weg zu den anderen zurück, ganz aus Gefühl und völlig ohne Karte! Unterwegs finde ich noch einen süßen Shop, der venezianische Anzugshemden verkauft – ich kaufe eins – und nachdem ich es heute Abend nochmal ausführlich anprobiert hab, werde ich mir noch eins, zwei weitere kaufen. Erstaunlich ist, wie schön lang die Ärmel sind! Italiener scheinen die farblich abgesetzten Manschetten grundsätzlich umzukrempeln…

Mit den anderen in einem weiteren Architektur-Biennale-Palazzo vereint, gucken wir umher, bis Schicht im Schacht ist. (Die Architektur-Biennale ist bei weitem nicht so abgedreht wie die Kunst-Biennale; in den Palazzo will ich nochmal rein und den Rest der Ausstellung anschauen.) Wir gehen noch etwas umher und dann trennen wir uns wieder. Sarah und ich machen uns völlig platt auf den Weg nach Hause. Dort angekommen, sehen wir ein Segelschiff, dessen Takelage beleuchtet ist. Das setzt der Rückfahrt, mit dem optimalen Dämmerungslicht, eine Krone auf!

Dann schnappen wir uns zwei Fahrräder und kaufen noch ein paar Dinge ein – richtig toll, ein Fahrrad hier auf der Insel zu haben. In leichtem Regen radeln wir mit Proviant beladen zurück und ich koche Sarah Bohnen mit Fleisch. Kaum fertig, sind auch die anderen da, das Kochen geht mit Rosmarinkartoffeln und Fleisch weiter. Mama macht sich „Kaninchen“-Essen mit Tomaten.

Auch dieser Tag war wieder richtig, richtig schön! Auf ins Traumland.

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