Venedig 16 – Tag 8: Sonne in den Straßen Venedigs

Venedig 16 – Tag 8: Sonne in den Straßen Venedigs

Freitag, 07.10.2016
Wetter: sonnig, windstill und ca. 19 °C

Während die beiden, die den Altersdurchschnitt unserer Gang etwas anheben, schon richtig früh das Haus verlassen hatten, haben wir Jüngeren noch etwas länger geschlafen. Dann noch kurz E-Mails checken und dann ganz gemächlich los.

Die Sonne scheint von ihrem einsamen Platz im tiefblauen Himmel, wir tuckern über die Lagune, wollen eine Station hinter San Marco aussteigen und merken zu spät, dass die Line 5.1 nicht den Canal Grande, sondern den „anderen Kanal“ langfährt. Ich frage mich, wievielen anderen Touristen es so geht wie mir… Man kennt den Namen des Canal Grande, aber dann gibt es da noch diesen anderen großen Kanal, durch den immer die Kreuzfahrtschiffe auslaufen – aber wie der heißt?! Kein Plan! Ich komme gleich zurück, wenn ich den Namen gegoogelt hab (um in wahrscheinlich morgen wieder vergessen zu haben).

*Wartemusik*

Also bei Google findet man es nicht. Auf der gedruckten Karte steht es auch nicht. Mama weiß es – dit Kind soll „Canal Giudecca“ heißen! Oder eben einfacher „dieser andere große Kanal“.

Also in den besagten fahren wir rein und steigen an der ersten Haltestelle aus. Wir bahnen uns den Weg durch viele süße Gassen bis zur Gallerie dell‘Accademia. Direkt dort in einer Seitenstraße trinken wir drei Espressos und besuchen Hinterräume. An der Gallerie treffen wir Papa, der mit Mama schon Ewigkeiten die Bilder bestaunt hat, und retten ihn mit Picknick vor dem Verhungern.

Gestärkt geht Papa zurück ins Museum, wir gehen über die Brücke dell‘Accademia und schlängeln/schleichen uns durch die Stadt bis zur Rialto-Brücke. Von dort gehen wir in das neu eröffnete Nobel-Kaufhaus „Fondaco Dei Tedeschi“ im ehemaligen deutschen Handelskontor (seit 1200). Ein Kaufhaus so preiswert, dass Preise niemanden interessieren (stehen deshalb normalerweise auch nicht dran). Ebenfalls auffällig die schiere Anzahl fröhlicher, hilfsbereiter Verkäufer. Auf schnieken roten Rolltreppen fahren wir ganz nach oben und stellen fest, dass man auf die Dachterrasse kann. Ein ganz genialer Fund – der Ausblick ist der Hammer, und es ist richtig leise da oben. Wir nutzten die Gunst der Stunde und nehmen ein paar Videos auf – unter anderem das versprochene Produktvideo zu meinem 3-D-gedrucktem Rucksack-Verschlusssystem. Dann ist es Zeit, sich in meine Telefonkonferenz für die Arbeit einzuwählen. Bei so einem Ausblick mal kurz mit ein paar Kollegen zu reden, ist gut zu verkraften.

Dann müssen wir uns schon fast beeilen, um zur Ca‘ Foscari zu kommen. Das ist der große Palast, der außen in der großen Kurve des Canal Grande liegt. Heutzutage ist er Teil der Uni, und nur ganz selten gibt es Führungen. Papa hat uns Plätze erluchst. Wir kommen gut pünktlich an und können uns im schönen Innenhof noch etwas stärken. (Etwas, was ich vermissen werde, wenn ich kein Student mehr bin, ist der Zugang zum eduroam, dem WLAN der europäischen Universitäten – super schnelles Internet in sehr vielen Städten.)

Unsere Führerin ist eine sehr sympathische Studentin der Uni, die uns erst zwei Innenhöfe zeigt, dann einen wunderschönen Saal (der leider nicht mehr für normale Vorlesungen genutzt wird) – auf der Innenseite der Fassade ist eine Glasfront eingezogen, die an japanische Papierhäuser erinnern soll, auf der anderen Seite wurde aus dem Material der alten Holzränge für die Studenten eine Glaswand gefertigt. Der Ausblick auf den großen Bogen des Canal Grande ist gigantisch!

Dann geht es die vielen Treppenstufen wieder runter und über eine Brücke in die Ca‘ Dolfino, ebenfalls Teil der Uni. Hier wird uns eine Dachterrasse gezeigt mit total schönem Ausblick. Und dann der Hauptsaal der Uni – ein barockes Prachtstück, einfach wunderschön. Zum Abschluss wird geklatscht, sich bedankt und so langsam aus dem Gebäude geströmt.

Wir gehen von dort aus in zwei Kirchen, die in der Nähe eines Eisgeschäftes sind, das sehr, sehr leckeres Nutella-Eis verkauft. Also erst die „Arbeit“, dann ein kleines Eis-Fest.

Mittlerweile ist es schon spät und wir wollen uns auf den Weg nach Hause machen. Natürlich mit noch ein paar Kirchen zwischendrin. Das Abendlicht erleuchtet die Dächer und malt bunte Farben an den Himmel. Dann mit dem Vaporetto zur Rialto-Brücke – hier um die Ecke ist das Anzugshemden-Geschäft. Ich kaufe mir noch eins, schön venezianisch mit Kragen in mehreren Lagen und farblich abgesetzten Manschetten. Dann finden wir auf dem Rückweg noch einen Männerbekleidungsladen, der Sale hat und sehr gemütliche Jeans verkauft. Ilan probiert mehrere Größen aus (in den letzten Jahren habe ich selten Jeans getragen und hab keine Ahnung, welche Größe perfekt sitzt). Dann ist die richtige Größe gefunden und ein vergünstigtes Doppelpack gekauft. Morgen werde ich mich mal aufbretzeln.

Nun kann es zum trauten Heim gehen. Bei Rialto warten wir kurz auf ein Vaparetto, dann geht es los. Zu etwas späterer Stunde scheinen die Vaparettos noch langsamer durch den Canal Grande zu fahren – die Ungeduldigen unter uns bekommen eine leichte Krise, man will doch nach Hause. Ich komme auf die Idee, wie es wäre, wenn man einen Delfin züchtet, den man dann reiten kann. Papa ist der Meinung, dass auch für Delfine die Geschwindigkeitsbegrenzung gelten würde.

Also langsam. Ganz gemächlich schleichen wir uns von Haltestelle zu Haltestelle. An der Kaimauer hinter San Marco liegen zwei Yachten, die Forever One (55 Meter) und die Carinthia VII (103 Meter) – wunderhübsch. Beim Begaffen ist die langsame Geschwindigkeit gar nicht negativ.

Rüber zum Lido fährt das Boot schnell. Sarah und ich gehen nach Hause. Ich fange an zu kochen. Der Rest geht einkaufen. Es bricht noch abendliche Gemütlichkeit aus.

Jetzt ist es wieder spät. Ab ins Traumland und Yachten besuchen.

Venedig 16 – Tag 7: Beach Bums finden einen Weg an den Strand
Venedig 16 – Tag 9: Heute Ruhetag

Kommentar verfassen