Venedig – Tag 11: Murano, die Glasinsel

Venedig – Tag 11: Murano, die Glasinsel

Montag, ca. 20°C und sonnig

Vom gestrigen Dunst war heute nichts mehr zu sehen. Schon gestern hatten wir uns entschieden, heute nach Murano zu fahren. Das ist eine Insel, einen Katzensprung nord-östlich von Venedig. Als Maßnahme, die Stadt vor Feuer zu schützen und um die Glasherstellung besser geheim halten zu können, wurde 1295 alle Glasherstellung aus Venedig nach Murano verlegt. Immer noch wird dort Glas von Hand gefertigt.

Wir fahren über Fundamente Nuove nach Murano und die Boote sind seehr voll. Auf dem ersten Abschnitt können wir draußen fahren und sehen Arsenale sehr schön und fahren an zwei Segelyachten vorbei, die seit gestern hier liegen: Gestern Abend gehen wir nach Hause und da ist auf einmal ein neuer Turm in der Stadt, samt rotem Leuchtpunkt auf der Spitze – aber das war gar kein Turm, sondern einer dieser Segelmasten. Scheinbar wollen nicht nur wir das schöne Wetter nutzen. Als wir ankommen, quellen noch viele Touristen mit uns auf die Insel. Auf der Hauptverkehrs-/Hauptfußgängerstraße (mit Kanal in der Mitte) reiht sich Glasgeschäft an Glasgeschäft. Alle beteuern, nur auf Murano zu fertigen, einige haben kleine Werkstätten in Shop; nur ganz wenige, aber dann eher weiter außerhalb, haben wirkliche Werkstätten, in die man rein kann. Aber so richtige Fertigung bekommt man als Tourist kaum zu sehen. Nur einmal gelingt uns ein Blick in eine professionelle Werkstatt mit vielen Glasöfen von einer Hinterstraße aus, wo gerade eine Tür offen stand.

Wir klappern erstmal die Kirchen (San Pietro martire und Santa Maria e San Donato) ab. In der ersten Kirche hängen die schönsten Murano-Glasleuchter und auf beiden Seiten des Altars hängen gigantische Bilder von berühmten Malern („Die Speisung der 5000“ und „Die Hochzeit zu Kana“). In der zweiten Kirche bleiben wir etwas länger. Hier ist in der Deckenwölbung des Altarraums genauso ein beeindruckendes byzantinisches Goldmosaik mit Maria zu sehen wie in Torchello. Der gesamte Fußboden besteht aus den aufwendigsten Mosaiken, reichhaltigste venezianische Machart aus dem 13. Jhdt. Ich schlafe etwas vor der Kirche in der Sonne und dann picknicken wir. Dann muss noch die besonders schöne, römisch wirkende Chorraum-Fassade vom Kanal aus angeguckt werden, denn dies ist die eigentliche Schauseite der Kirche, die als Repräsentationsbau die auf dem Canal anreisenden Besucher beeindrucken sollte – und beeindrucken tut sie auch!

Nun trennen sich unsere Wege. Papa will erstmal noch etwas in der Sonne draußen rumgehen, der Rest geht ins Glasmuseum. Am Anfang gibt es einen Filmsaal und man bekommt die verschiedenen Fertigungsarten zusehen. Sehr spannend. Dann noch das ganze gesammelte Glas aus allen Jahrhunderten angucken (4000 Jahre) und etwas Geschichtswissen sammeln. Mama und Esther sind noch nicht fertig. Papa ist gerade ins Museum gekommen und Sarah und ich sitzen etwas im sonnigen Museumsgarten mit ihm. Zwischendrin etwas Trizepstraining und ein paar Liegestütze.

Sarah und ich machen uns noch etwas durch die Stadt auf, gucken in viele kleine Gassen, kaufen uns was zu essen – uuh, ich hab mir Jogurt gekauft, wie hab ich Jogurt vermisst! Zwischendrin finden wir uns auf einem Friedhof wieder. Dieser sieht ganz anders aus als bei uns. Wegen dem Wasser kann man niemanden in der Erde begraben, alle Gräber sind erhöht. Die meisten Gräber sind in Wänden. Teilweise bin ich stark an New Orleans erinnert.

Der Hauptkanal Muranos erinnert richtig stark an den Canal Grande, nur mit kleineren Häusern. In einem Glasgeschäft treffen wir zufällig Papa und gehen dann mit ihm zusammen rum. Erst um die Spitze der einen Insel, dann quer durch das Getümmel. Am Leuchtturm werden wir von Mama und Esther angerufen. Ab auf ein Boot und eine Haltestelle fahren. Vom Boot aus sehen wir die beiden schon uns winken.

Es ist mittlerweile schon recht spät und die Sonne geht in buntesten Farben unter. Rechts von der Sonne schillert eine Wolkenbank geradezu wie Perlmutt, wiederholt das rötliche-gelbe Licht der untergehenden Sonne – fast so hell wie ein zweiter Sonnenuntergang. Wunderschön! Bei diesem Naturspektakel sitzen wir auf der Kaimauer, picknicken noch ein bisschen und erzählen uns gegenseitig, was wir erlebt haben.

Als die Sonne fast untergegangen ist, machen wir uns auf den Weg. Der Vollmond hingegen steigt, bereits rot/orange sichtbar, langsam auf. Das Vaporetto nach Fundamente Nuovo ist wieder brechend voll. Überfahrt überlebt. Eis gekauft (im Gegenzug zu einem stillen Ort) und dann ein paar Langzeitaufnahmen gemacht. Danach sind wir nebenan in die Kirche Gesuiti getigert  – wir gehen rein, Esther etwas laut: „Wooow!“, und dann sehen wir, dass gerade eine Hochzeit im vollen Gange ist. An einem Montagabend… Die Kirche ist wirklich wow! Wenn diese Kirche nicht barock ist, dann hat nichts diesen Titel verdient. Die Wände sind aus weißem und blau-grauem Marmor, Einlegearbeiten. Der Altar ist einfach nur bombastisch (dem Altar im Petersdom in Rom nachgestaltet), die Decke herrlich ausgemalt, die Säulen mächtig. Nach der Hochzeit konnten wir noch umhergehen. Etwas, was ich vorher noch nie gesehen hab: Vor dem Altar ist ein grüner Teppich über das Altarpodest ausgebreitet, aber dieser Teppich ist aus Stein.

Nach der Kirche sind wir nebenan in ein Gebäude gegangen, wo sich eine Gedenkveranstaltung für den berühmten Fotografen Ligabue dem Ende zuneigte, scheinbar mit Weinverköstigung. Das besondere aus dieser Episode: Weinglasschürzen. Die Menschen hatten einen Kleinen Beutel vor ihrer Brust hängen, in den ein Weinglas passt. So kann man sein Weinglas sicher aufbewahren, wenn man gerade nix trinkt. Genius! Und Papa hat den dicken Fotoband geschenkt bekommen – er wollte fragen, wieviel er kostet, das wusste niemand, und ein Herr am Eingang, der wohl von irgendeiner Wichtigkeit war, hat ihn dann Papa geschenkt.

Von dort aus haben wir uns entschieden, nicht direkt dort ins Boot zu steigen, sondern einmal quer durch Venedig zu San Marco zu gehen. Das war bei Vollmondschein herrlich. Die Stadt wirkt nicht ganz so verlassen, wenn der Himmel etwas Licht hat. Immer wieder sind wir an bekannten Ecken vorbei gekommen. Wir haben noch in die Chiesa di San Canciano geguckt und ich hab in einem urigen Geschäft Wein gekauft. Und zwar wurde er aus einer riesigen Glasflasche in meine Plastikflasche aus dem Rucksack gefüllt, 1,80€ der Liter, Merlot, lecker – vielleicht etwas jung, auf jeden Fall ganz leicht bubbelig und fruchtig. Mit solch geistvoller Wegspeisung sind wir dann das letzte Stück zur Haltestelle San Zaccaria gegangen und Boot-Boot nach Hause. Mit nur einer „Laterne“ am Himmel war die ganze Lagune erleuchtet…

Lecker gegessen und erzählt. Nun geht es erfreut ins Bett.

Unsere Route:

 

Venedig – Tag 10: Palazzi
Venedig – Tag 12: Ab in die Schule…

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