Venedig – Tag 12: Ab in die Schule…

Venedig – Tag 12: Ab in die Schule…

Dienstag, 19°C sonnig und am Abend etwas bewölkt

Der Morgen noch recht frisch, das Boot sehr voll. Wir steigen in Arsenale aus. Ein wenig das Ufer entlang und dann einen Kanal entlang zu Arsenale. Das war für Jahrhunderte die größte Werft der Welt (16.000 Arbeiter) – dort waren schon sehr früh Produktionsstraßen bekannt, im 16. Jhdt. konnten sie eine Galeere in 24 Student bauen und voll ausstatten und für den Einsatz bestücken. Heute beherbergt das Gelände die Führungsakademie der italienischen Marine. Man kann nur eins der Eingangstore sehen. Mamas Fuß tut heute sehr weh und wir nehmen es als Gelegenheit, ganz gemütlich zu schlendern.

Von dort geht es in Richtung Scuola di San Giorgio degli Schiavoni. Auf dem Weg dorthin können wir in die Chiesa di San Giovanni in Bragora und Chiesa di San Martino Vescovo reingucken. Diese Kirche ist bis auf den Altarraum quadratisch und die Decke ist komplett ausgemalt.

Weiter geht es durch süße Gassen. Noch eine Kirche: San Antonin zeigt eine Ausstellung der Biennale – hier hat moderne Kunst wieder geschafft zu begeistern – die Künstlergruppe zeigt, wie die Gesellschaft Kommunikation und Social Media zu neuen armseligen Göttern gemacht hat. Die Wände sind mit Gitter-Reliefs behangen; sie zeigen Menschen bei Errichten von Sendemasten; vor dem Altar steht ein großes Facebook-f anstatt eines Kreuzes. Im Kirchenraum sehen „Apostel“-Figuren herum – lebensgroße halbe(!) Menschen aus grauem Material, irgendwo geht ein Schnitt quer durch die Figur (der Rest der Figur fehlt) und man sieht das Innenleben plastisch herausgearbeitet: jeweils eins der bekannten Zeichen des Internet wie Browser-Symbole, das Logo für Instagramm usw. – es hinterlässt einen ziemlich nachdenklich.

Bevor es zur Scuola geht, muss erst eine Toilette gefunden werden und das ist sehr gut, denn wir finden ein kleines Café und ich esse zwei kleine Stücke Kuchen und trinke einen Espresso – super lecker!

Da die Scuola doch nicht in unserem  Museums-Pass ist, wollen wir eigentlich weiter – die Eltern sagen, sie gucken nur kurz noch einmal rein, Esther geht mit, eine SMS, dass sie doch Eintritt bezahlt haben, geht verloren. Erst sitzen Sarah und ich länglich rum und gucken Menschen, dann machen wir uns auf einen Streifzug durch die Nachbarschaft. Auf unserem Streifzug finden wir belebte Teile der Stadt, in denen aber eher „Einheimische“ unterwegs sind – ein super vollgestopftes Handwerkergeschäft, süße Bäckereinen, Obstläden, ein Fußballclubhaus mit langer Tradition. Vieles, was in Deutschland durch Geschäftsketten auf äußerste Effizienz getrimmt ist, wird hier noch im Tante-Emma-Style verkauft. Nach länglichem Hier-und-da-Gucken treffen wir uns mit den anderen wieder. Weiter führt uns der Weg nach San Marco, dort sitzen wir gemütlich in der sehr warmen Sonne und picknicken, schön mit Ausblick auf den Dogenpalast, die zwei Säulen am Ufer und den Campanile.

Dann steigen wir in ein Vaparetto, wieder schön voll, und fahren nach San Tomá. Sarah und ich gehen etwas schneller vor und kaufen jeder 3 Kugeln Eis… sehr, sehr lecker, und ein lustiger Verkäufer!

Nächster Halt ist die Scuola San Rocco – man sagt, es seien die prächtigsten Innenräume der Welt, und dem kann ich nur zustimmen. Das Gebäude besteht aus drei riesigen Räumen, besser Hallen. Unten ein großer Saal mit acht riesenformatigen Bildern, darüber ein Raum, der noch vielvoll von riesigen Bildern ist, an den Wänden und der Decke – fast alle Bilder in der Scuola sind von Tintoretto gemalt. Die Wände sind zwischen den Bildern mit reichen Schnitzarbeiten verziert, an der Decke umrahmen reiche Kassetten die Bilder. Einfach wow!, der Raum. Der letzte Raum ist deutlich kleiner und dem Eingang gegenüber füllt ein einziges gigantisches Bild der Kreuzigung die Wand – wirklich bewegend. Esther kommt mit einem älteren Ehepaar aus Belfast ins Gespräch und noch zwei-, dreimal kommen sie auf Esther zu und fragen sie nach der Bedeutung verschiedener Bilder – denn sie sei so „extreamly knowledgable“. Mit gutem Bibelwissen und Fantasie kann man die Bedeutung der meisten Werke entschlüsseln.

Nach dem Besuch in der Scuola kaufen die anderen noch Eis und wir fangen an – bereit nach Hause zu fahren – noch etwas durch die Stadt zu tapsen, denn ich will die Stadt im Mondlicht fotografieren: wir sehen wir den riesigen gelben Mond über der Stadt aufgehen. Ich gehe vor durch die Stadt, der Markusplatz soll mit Vollmond fotografiert werden, aber als ich dort ankomme, haben sich Wolken vor den Mond geschoben. Die Langzeitbelichtungsbilder sind trotzdem schön geworden. Mich erstaunt zu erleben, wie viele Teile der Stadt wir schon gesehen und begangen haben, auf meinen Wegen sehe ich nur wenige unbekannte Ecken. Ich gehe zu den anderen zurück, treffe sie am Campo San Steffano und wir treten die Heimreise via Accademia an.

Zu Hause angekommen, gelingt uns besonders leckeres Essen – Kartoffelpüree mit Schweinemedallions, einer Pilz-Zwiebel-Pfanne und Gemüsesuppe, dazu ein Salat. Heute war einer dieser Tage, wo man etwas kocht und es schmeckt um Welten besser als erwartet.

Jetzt bin ich völlig platt und sinke ins Bett.

Unsere Route:

 

 

Venedig – Tag 11: Murano, die Glasinsel
Venedig – Tag 13: San Marco und ein Palazzo

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