Venedig – Tag 13: San Marco und ein Palazzo

Venedig – Tag 13: San Marco und ein Palazzo

Mittwoch, ca. 18°C und Nieselregen

Morgens etwas vor sieben fangen die Kinder des Vermieters in der Wohnung über uns an, quietschfidel durch die Wohnung zu tapsen… da kann man nicht wirklich weiterschlafen. Gerade wollte ich aufstehen, da ist auf einmal Ruhe – also noch zwei-, dreimal wenden… Mama und Papa sind dann schon sehr früh losgezogen und haben drei Kirchen besichtigt. Wir haben haben noch etwas rumgerödelt und dann habe ich Sarah bei zwei Folgen Roadkill (sehr lustige 20-Min.-Auto-Serie) massiert.  Dann geht es los durch den Nieselregen, gerade so dolle, dass es sich nach Regen anfühlt, aber doch so wenig, dass sich die Kapuze aufzusetzen übertrieben anfühlt.

In der Stadt angekommen, war etwas Aqua Alto und wir mussten eine Weile an der Kathedrale San Marco auf Gehstegen anstehen. Kurz vor 12 haben uns die anderen an der Tür getroffen. Heute war wieder die Beleuchtung an. Sarah und Esther haben das goldene Spektakel zum ersten Mal bewundert, aber auch für mich war der Wow-Effekt nicht geringer als beim ersten Mal!

Von dort aus sind wir im Nieselregen über den Platz gegangen; der Plan: den Dogenpalast besichtigen. Zuerst picknicken wir aber noch unter den Kolonaden. Auf dem Weg in den Palast sieht Esther eine Ankündigung für eine Evakuations-Übung am Nachmittag und wir entscheiden uns, heute lieber etwas anderes zu machen.

Schnell die Köpfe zusammen gesteckt, neues Ziel: das Naturhistorische Museum in der Fondatio dei Turchi, einem  Palazzo aus dem 13. Jhdt. im venezianisch-byzantinischen Stil. Also ab ins Boot und bei fisseligem Regen den Canal Grande entlang – zum Glück kann man hinten im Boot draußen sitzen und wird nicht bis kaum nass.

Wir steigen bei San Stae aus. Dann kurz geheime Örter in der Ca‘ Pesaro besuchen – hier ist ja das Museum der modernen Kunst, in dem wir waren, und die Toilette ist von außen erreichbar – in dieser Stadt ein Ringeltäubchen. Dann machen wir uns auf in Richtung Museum – natürlich mit Zwischenstopps.

Der erste ist die Chiesa San Stae – hier war das Konzert am Sonntagabend und jetzt gucken wir sie noch einmal im Tageslicht an. Dann tingeln wir weiter, verlaufen uns ein bisschen und landen auf dem Campo San Giacomo dall‘ Orio, also direkt in die gleichnamige Kirche. Diese ist geheimnisvoll mittelalterlich. Auf dem Platz gibt es einen kleinen Gemüsegarten (ich frag mich, wem der gehört / wer ihn pflegt) und einen kleinen Co-op. Wir kaufen gesundes Mittagessen (heute haben wir mal den Rucksack zu Hause gelassen): Chips (schön fettig), Schokokuchen (sehr omnomnom) und Haferkekse (sehr gesund). Passend zum Hunger ist eine Nieselpause und wir essen draußen.

Dann wieder durch kleine Gässchen und wir kommen zum Museum. In diesem Palazzo einer reichen Kaufmannsfamilie wurden ab dem 14. Jhdt. Staatsgäste untergebrach; ab 1621 hatten dann die türkischen Kaufleute ihre Handelsniederlassung für 200 Jahre hier drin. Von außen großartig, innen sieht man vom eigentlichen Gebäude weniger als vermutet – aber das Museum ist als solches fantastisch. Es scheint sehr neu zu sein und die Ausstellung ist sehr formschön und – wenn man Italienisch könnte – auch informativ gestaltet. Nach einer großartig präsentierten Fossiliensammlung (Papa war hier besonders interessiert) gibt es mehrere Räume mit ausgestopften exotischen Tieren; der letzte Raum ist wie eine alte Sammlung mit hohen Vitrinen auf der einen Seite – hier kann man viele Fische sehen, dann auch eingelegte Organe und Organsysteme von Tieren, sehr spannend und teilweise etwas grotesk. Der nächste Raum ist cool, aber wie so viele coole Sachen kommt die Nützlichkeit etwas zu kurz – der Raum ist eher eine Kugel, in ihrer Mitte steht ein runder Tisch, auf den Rand sind mit einem Beamer verschiede Themenbereiche projiziert, wie z.B. Selbstverteidigungsmechanismen; hält man seine Hand drüber, taucht innen ein weiterer Kreis auf und man kann ein Unterthema wählen wie „Geräusche“. Auf der Wand der Kugel werden nun korrespondierend dazu fast 360° rundum Bilder des jeweilig angewählten Themas angezeigt. Echt schick, aber der Informationsgehalt ist etwas gering. Der Wirtschaftsinformatiker könnte nun ewig über Usability labern, aber weiter in die nächsten Räume. Die waren nämlich von der Usability sehr gut – z.B. in einem Raum wurden Vögel gezeigt, aber nicht nur einer, sondern dann direkt auch der gesamte Bewegungsablauf. Sehr spannend! Am Ende der Ausstellung haben wir an einer Audio-Station viele Wal-Sounds angehört und dann ging es bei Dunkelheit aus dem schicken Museum wieder raus.

Völlig erledigt geht es nun ein ganz bisschen früher als sonst nach Hause. Sarah und ich entspannen etwas, während die anderen noch einkaufen gehen und in einem Bekleidungsgeschäft ein paar schicke Artikel erstehen. Dann wird das gleiche wie gestern gekocht und es ist wieder super lecker.

Gleich ins Bett, aber erst noch zwei Dinge, die ich immer vergesse aufzuschreiben:

Venedig ist alles in allem eine sehr leise Stadt, besonders im Gegensatz zu einer Stadt wie Rom, wo man eigentlich gerne Ohrenschützer tragen will. Es ist nicht unbedingt so leise wie in einem Wald an einem drückenden Sommernachmittag, aber insgesamt ist es ruhig. Besonders wenn man etwas weiter weg von den Kanälen ist. Hier ist natürlich reger Verkehr und besonders die Vaporetto-Motoren können etwas brüllen, wenn sie an einer Haltestelle anlegen – erst  wird das Boot festgebunden und dann entgegengesetzt gelenkt und Schub gegeben, so dass es fest an die Haltestelle gedrückt wird. Aber alles in allem ist es hier angenehm und erholsam ruhig.

Und auf dem Weg zu unserer Vaporetto-Haltestelle gehen wir immer an einer langen exotischen Hecke lang, die besonders abends herrlich riecht. Mit Blick auf Venedig gehen wir den ganzen Weg am Ufer entlang in herrlichem Blumenduft nach Hause… wunderherrlich!

Und jetzt Bett.

Unsere Route:

 

Venedig – Tag 12: Ab in die Schule…
Venedig – Tag 14: Der Dogenpalast und Rumgerenne

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