Venedig – Tag 14: Der Dogenpalast und Rumgerenne

Venedig – Tag 14: Der Dogenpalast und Rumgerenne

20°C, morgens Nieselregen, zum Abend hin aufklarend

Früh los, es liegt Dunst über der bis zum Rand gefüllten Lagune und der Himmel tröpfelt etwas… Es ist wieder Aqua Alta und diesmal noch etwas doller. Der Platz vor dem Dogenpalast wird etwas überspült. Wir entscheiden uns, direkt in den Dogenpalast zu gehen und nicht erst nochmal in San Marco vorbeizugucken.

Wenn man einen Museums-Pass hat, muss man zum Glück nicht anstehen und kann direkt rein. Dann Rucksack abgeben. Es gab keine Audioguides mehr. Also rein ins Getümmel.

Die ersten Räume nach der goldenen Treppe sind eine neue Sonderausstellung. Hier braucht man den Audioguide zum Glück nicht. Es wird das Leben in der Lagune mit all seinen Aspekten beleuchtet. Zum Beispiel wie früher über ein ausgeklügeltes System Wasser aus einem Fluss auf Boote verladen und dann in die Zisternen der Stadt gefahren wurde, die auch Regenwasser sammelten und filterten. Oder dass früher die Kirchtürme viel öfter geläutet haben, um besonders nach Einbruch der Dunkelheit oder bei den früher noch dichteren Nebeln Leuten Orientierung zu bieten. Für mich begeisternd waren sehr gelungene animierte Ausstellungsstücke – auf dem Boden war ein Podest und darauf z.B. ein Relief der Lagune, von oben wurde auf diese 3D-Struktur dann unter anderem das Flutmuster zu verschiedenen Jahrhunderten mit einem Beamer von oben aufprojiziert. Eine sehr gelungene und informative Ausstellung.

Nach diesen Ausstellungsräumen konnten wir Audioguides erstehen und sind dann durch die restlichen Räume gegangen. Es sind äußerst prächtige Räume! Jeder Raum hat eine kostbare Kassettendecke und ist fast komplett mit den besten Bildern ausgeschmückt. Staunend geht man langsam von einem in den nächsten Raum. Glücklicherweise kann man in vielen Räumen sitzen, um bei den Erklärungen des Audioguides umhergucken zu können. Nach den Repräsentationsräumen geht man über die Seufzerbrücke rüber in das Gefängnis. Hier ist bis auf nackte Mauern, ein paar Schnitzereien und Gitter eigentlich nichts zu sehen. Nach unserem ersten Durchgang mit Sarah (wir teilen uns gerne einen Audioguide, wenn man Kopfhörer dran machen kann – so macht es mehr Spaß) gehen wir noch einmal schneller durch die Räume, finden alle Gang-Mitglieder nacheinander wieder und picknicken dann mit Esther und Papa im Innenhof.

Danach gehen Sarah und ich gegenüber zum Correr-Museum, das aus drei Museen besteht, dem Museum der Antike, den Staatsräumen und einer Staatsbibliothek. Erst gehen wir im Licht der Abendsonne über den Platz und durch eine paar Gassen. Dann ab ins Museum. Das Teil ist ziemlich groß.

Erster Abschnitt sind Räume in dem Gebäudeteil, den Napoleon gebaut hat – vieles noch aus seiner Zeit, anderes für Kaiserin Sissi und ihren Mann renoviert. Sie haben für Sissis Gesundheit zweimal einige Monate hier verbracht. Es werden wunderschöne neo-klassizistische und Empire-Räume gezeigt, erst die Repräsentationsräume, dann die privaten Räume von Sissi. Vieles noch mit den originalen Möbeln. Dann geht es weiter in eine Bildersammlung, besonders von mittelalterlichen Bildern. Die Brezelmännchen (wie wir mittelalterliche Figuren immer liebevoll nennen) sehen irgendwie anders aus als auf deutschen Bildern dieser Zeit. Ich könnte nicht wirklich beschreiben, wie…

Dann ein paar Räume mit alten venezianischen Gegenständen, dann kommen antike „Ahlhuddelen“ (Kölsch für altes Zeug, auch liebevoll gemeint), also römische und griechische Statuen, zwei Mumien, Münzen usw., und dann noch ein Stockwerk mit Bildern.

Noch einmal durch die schönen Räume am Anfang und wieder raus auf die Straßen Venedigs. Der Himmel ist bunt vom Abendlicht, also gehen wir erst zum Ufer und gucken den Sonnenuntergang an. Dann gehen wir das Ufer entlang und lassen uns von unserer Neugier treiben – in ca. zwei Stunden macht das Museum zu und die anderen wollen uns wiedertreffen.

In dieser Zeit gehen Sarah und ich durch uns noch unbekannte Teile von Venedig. Immer wieder kreuzen wir bekannte Wege und dann sind wir wieder an neuen Ecken. Irgendwann sind wir am andern Ufer und sehen nicht so weit weg Ospedale, das Krankenhaus am Wasser; durch fast verlassene Wohngebiete sind wir dorthin geraten. Venedig scheint nach dem Dunkelwerden in weiten Teilen wie ausgestorben, Anwohnerstraßen sind dunkel, leise, man trifft fast niemanden. Da sich die Luft kaum bewegt und es ja auch wegen des fehlenden Verkehrslärms recht leise ist, wirkt es manchmal so, als würden die Straßenzüge in einem Museum gezeigt – oder Esther empfindet es wie Filmsets… irgendwie so ein bisschen off, das Ganze. Dann geht man um eine Ecke und ist auf einmal auf einem Sträßchen voller kleiner Geschäfte und Leben.

In einer der unbelebten Teile steht eine mittelgroße Kirche, Tür ist auf, wir rein. Erst als wir fast drin sind, fällt uns auf, dass gerade gebetet wird. Vorne sitzen drei alte Venezianer, zwei Reihen dahinter hat es sich ein Ordenspriester gemütlich gemacht – zurückgelehnt, Füße auf der Kniebank, Arme verschränkt. Wir sind fast schon am Umkehren, aber er lächelt uns sehr freundlich zu, also gehen wir doch rein. Der Priester leitet das liturgische Gebet, die Alten antworten, wir tapsen mit etwas quietschenden Schuhen durch das halbbeleuchtete Kirchenschiff.

Kurz vor Ospedale finden wir einen Co-op und kaufen Chips und Saft… gesundes Abendessen. Mampfend gehen wir das Ufer und am Krankenhaus entlang und inspizieren die Kranken“wagen“schiff-Anlandestelle mal von Nahem. Danach gehen wir weiter, sehen, dass wir da schon waren, und kehren gerade rechtzeitig um, um einen Kranken“wagen“ anschippern zu sehen. Das muss man angucken. Wir beten für die Betroffenen. In respektvollem Abstand stehen wir dort, etwas müde, minimal geistesabwesend und gucken zu – Chips essend… Eine Frau, die uns entgegenkommt, guckt uns etwas entgeistert an… Erst dann fällt uns auf, dass unser Verhalten vielleicht etwas unpassend sein könnte.

Weiter geht es über eine belebte Straße, viel süße Geschäfte, ein großer Platz und eine weitere Kirche. Wir gucken rein, die Kasse ist schon zu, also können wir kostenlos rein. Riesig und dunkel ist sie – wirklich besonders ist der Eingang zur Seitenkapelle, der wandfüllend bis unter das Dach in Marmor mit großen Statuen ausgestaltet ist.

Dann erreicht uns ein Anruf der anderen, die jetzt fertig sind. Wir gehen so ca. in die Richtung von San Marco. Gucken irgendwann auf die Karte (Open Street Maps ist offline wirklich toll) und passen unseren Kurs an. Vorbei an der Rialto-Brücke, durch neue unbekannte Gassen mit schicken Shops, sind wir irgendwann auf dem Markusplatz. Sehr bald finden wir die anderen. Hören ein Stück Musik von etwas überdurchschnittlich begeisterten Musikern in einem der Pavillons vor einem der Traditionsrestaurants. Dann machen wir ein paar Fotos und es geht nach Hause.

Heute Asia-Fertigessen, also Reis mit einer Soße und Gemüsepfanne, es schmeckt lecker. Dann gucke ich mit Esther drei Film-Trailer – man, das hatten wir wirklich lange nicht mehr gemacht…

Und jetzt geht es ins Bett.

Unsere Route mit Loch – irgendwie wollte mein Handy kein GPS finden:

 

Venedig – Tag 13: San Marco und ein Palazzo
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