Venedig – Tag 2: Mal an den Strand

Venedig – Tag 2: Mal an den Strand

Samstag – ca. 17° sonnig, ein paar Wolken

Erste Ferientage sind wohl prädestiniert dafür, dass man ausschläft. Genau so haben wir das auch heute gemacht und haben den Anfang des Urlaubes mit aller gebotenen Ruhe zelebriert.

Nachdem ich mich aus dem Bett geräkelt hab, war erstmal Morgensport dran. Die Tage vor der Reise bin ich nicht zum Sportmachen gekommen und mein Genick und Kopf nehmen mir das schnell übel. Angefangen wird mit Liegestützen, dann Bauch, und Mama hat ein Teraband mitgenommen, also auch Schulter-Nacken… sehr gut! Währenddessen köchelte mein Mokka fertig und wurde kalt – unser Vermieter hat sogar ein Päckchen Espresso für den Mokkakocher in den Schrank getan, so kommt man direkt am ersten Morgen richtig in Italien an. Frisch geduscht haben wir, dann draußen gefrühstückt. Hier ist alles so schön und ruhig! (Auf kleinen Inseln Urlaub machen, hat wohl den riesigen Vorteil, dass kaum Verkehr ist.)

Dann wollten wir eigentlich nur einmal kurz am Ufer entlang und zum Strand – unsere nächste Umgebung erkunden. Also alles in der Wohnung gelassen, raus ans Ufer zur Stadt hin und dann einen kleinen Kanal entlang. Nicht wirklich weit gekommen, mussten wir wieder aufs Klo – also ab in die Wohnung. Dann Planänderung, was ist wenn das Ticket-Office am Samstag schon früh zu macht?! Also Rucksack mitgenommen und zum Venezia-Unica-Ticketoffice (übrigens: Fürs Bootfahren kostet ein Fünfjahres-Ausweis plus aufgebuchter Monatskarte nur einen kleinen Bruchteil von einer Touristenkarte für zwei Wochen). Dort hat es eine oder vielleicht auch zwei südländische Ewigkeiten gedauert, bis wir unsere Tickets hatten. Ich will im GPS-Track nicht nachgucken, wie lange genau – es ist wahrscheinlich schlimmer als erwartet, denn als wir unsere Tickets endlich hatten (Papa hat geduldig gewartet, während der Rest irgendwann auf eine Bank mit Blick auf Venedig geflohen ist), mussten wir wieder auf Toilette. Was also, wenn wir unseren originalen Plan wieder vor holen und kürz rüber zum Strand gehen – diese Insel Lido ist übrigens der Namensgeber für zahllose italienische Strände „Lido“ – dann am Strand entlang nach Hause und dann in die Stadt fahren?! Genau so haben wir es gemacht, nur etwas gemütlicher als zuerst geplant. Denn es ist ja immerhin der erste Urlaubstag. Also jetzt der Reihe nach.

Von der Bootsstation sind wir die Haupt-„Straße“ entlang gegangen. Dort hat Sarah eine echt schöne Sonnenbrille gefunden und gekauft – es ist doch heller als erwartet. Dann ein Lebensmittelgeschäft –  warum also nicht direkt Mittagessen kaufen und am Strand essen?! Ein genialer Plan.

Dann noch ein wenig weiter, und schon am Strand angekommen. Dort haben wir einen gemütlichen Platz zum Sitzen gefunden und gemütlich gegessen. Unter anderem wurde ein Pannetone verspiesen – dem Buch „Maria, ihm schmeckt‘s nicht“ ist der Pannetone Titel gebend, und den Pannetone, den wir davor einmal vor langen Jahren probiert hatten, war tatsächlich auch staubtrocken, aber dieser hier war wirklich lecker! 100 g sind 200 kcal pure geschmacksvolle und saftige Luftigkeit. Herrlich! Mit den ersten ca. 500 g hat Papa mal wieder unter Beweis gestellt, dass mindestens ein Meter von ihm hohle Knochen sind, die besonders gerne mit Kuchen gefüllt werden.

Gesättigt und zufrieden ging es an das Wasser – wir wollten uns ganz zahm die Füße etwas nass machen… nicht so wie die Kinder, die am Strand gespielt haben: Sand! Überall Sand! Auch im Mund! An vorderster Front ein kleiner deutscher Junge, vielleicht ein Jahr alt, der mit glückseliger Begeisterung von seinen Papa auf eine Sanddüne gehoben wurde und dann quietschvergnügt in irgendeine Richtung die Düne runtergerutscht ist. Mama hat direkt an die Wäsche gedacht, die deswegen gewaschen werden muss, und für Mama noch viel schlimmer die Vorstellung von Sand überall am Körper – eine Horrorvorstellung… naja, auf jeden Fall für Mama.

Das Wasser ist kalt… vielleicht 15 Grad, baden werden wir wohl nicht gehen. Die nächste Stunde oder so sind wir ganz gemächlich den Strand entlang geschlendert. Mama und Sarah haben Muscheln gesammelt. Diese ist schön und jene besonders schön uuund die hier so richtig schön! Die Tüte mit Muscheln füllt sich und erste Pläne, was damit gebastelt werden kann, werden ausgeheckt…

Vom Strand aus ein Hups zurück in unsere Wohnung. Die Zeit ist passend für Abendessen – Esther will sich nur kurz einen Kartoffelbrei aufkochen… Ach, da sind wir alle dabei. Dazu Dosenfleisch. Aber warum nicht den Teller nehmen und die Füße von der Kaimauer baumeln lassen?! Ich hab mir meinen Teller gegriffen und bin die 150 m ans Ufer gegangen, dazu noch eine Tasse Mokka. Wie ultra genial ist es, so nah am Ufer zu sein, dass man dort sitzen kann wie in seinem Vorgarten, und den Blick auf Venedig genießen kann?! Sarah und Esther sind dann noch dazugekommen.

Schließlich war es nicht mehr aufzuschieben – wenn man in Venedig ist, muss man auf die Hauptinseln übersetzen. In den Pastellfarben des letzten Tageslichtes sind wir mit dem Vaparetto dann in See bzw. Lagune gestochen und rüber zum  Dogenpalast gefahren. Sehr schön, das ganze Bootsgefahre hier! Besonders für so mitteldeutsche Landratten wie uns…

Am Abend ist Venedig dunkel, es ist gerade so hell, dass es nicht verschlossen wirkt, aber doch so dunkel, dass man das Gefühl hat, es stimme etwas nicht. Und das liegt wohl daran, wie Sarah festgestellt hat, das vor fast allen Fenstern Holzfensterläden sind und somit Fenster eigentlich grundsätzlich schwarz weil nicht beleuchtet sind, wie es bei uns erst weit nach Mitternacht der Fall wäre. Aber es ist auch irgendwie magisch: Die kleinen Kanäle sind stockfinster, und dann kommt ein Wassertaxi und wirft etwas Licht. Hotels und Restaurants haben eigene Anleger…

Der große Markusplatz ist schön beleuchtet, unter den Kolonaden sind Restaurants, an einigen wird unter Pavillons Live-Musik gespielt. Die Musiker spielen formvollendet mit aller Begeisterung, die menschenmöglicherweise zusammenkratzbar ist, wenn man den Titanic-Themesong zum hunderttausendsten Mal vor Touristen spielt. Die kleinen Gassen sind angenehm gefüllt mit Menschen. Wir gehen von Schaufenster zu Schaufenster, dann in eine Kirche, die so barock vollgeladen ist, dass man sich fast wundert, dass sie nicht in der Lagune versinkt, dabei aber immer noch sehr schön ist, dann noch einmal auf den Hauptplatz, geheime Orte besuchen, ein gestyltes Pärchen beim Fotografiert-werden fotografieren, wieder durch die Gässchen zur Rialto-Brücke. Dort steigen wir ins Vaparetto und brechen auf dem Canal Grande nach Hause auf.

Es ist irgendwie magisch, auf der sich wiegenden schwarzen Masse an den tollsten Palazzi entlang zu schippern. Irgendwann werden ganz vorne Plätze auf Deck frei – wirklich premium Plätze!

Auf dem Lido angekommen, geht es noch einmal ins Geschäft, einige Sachen und besonders Milch kaufen, und dann nach Hause… Auf dem Weg kann man mit den Tüten gut Bizeps trainieren (von der geplanten Gemüsepfanne könnte der Bizeps schrumpfen…). Zu Hause wird Kakao getrunken, Mama liest noch etwas aus dem Reiseführer vor, ich hab Nudeln und Gemüsepfanne gekocht (fast hätte ich „aufwärmen“ gesagt, aber ich hab das Essen auch gewürzt, da kann man ruhig von Kochen sprechen).

Nach dem Essen gehen alle langsam ins Bett und ich bearbeite Fotos nach und schreibe diese Zeilen hier… Nun ins Bett auch mit mir.

Morgen dann Venedig bei Tage!

Hier sind wir heute entlang getingelt:

 

Venedig - Tag 1: Ab nach Venedig!
Venedig – Tag 3: Jede Ecke ist schön

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