Venedig – Tag 3: Jede Ecke ist schön

Venedig – Tag 3: Jede Ecke ist schön

Sonntag – 19° bewölkt, ab und an ein paar Tröpfchen Regen

Auch zweite Urlaubstage müssen schön gemütlich angegangen werden. Und dann ging es leider Sarah sehr schlecht, also haben wir das Beste draus gemacht, Mama hat aus dem Reiseführer vorgelesen und ich habe Sarah massiert.

Dann konnten wir los. Die Lagune war heute voller Segelboote. Im erstbesten Wasserbus stand eine Frau, die mit ihren Töchtern nach dem Boot ihres Mannes Ausschau hielt. Also hab ich sie gefragt, was denn da los ist. Heute war Segelregatta. Ohne Wind. Weniger ein Rennen als ein Intensiv-auf-dem-Wasser-Stehen *hier dramatische Musik einspielen*… Einige Segelboote scheinen kein Bock mehr gehabt zu haben und sind mit dem Außenbordmotor davon gedüst.

Anders als wir gedacht haben, sind wir nicht am Dogenpalast angekommen, sondern an Spirito Santo. Wenn man schon mal da ist, kann man also direkt mal in die Kirche Santa Maria della Salute gehen. Der Weg dorthin führt an einem total malerischen Canal entlang, über einen schmalen Platz mit einer Reihe hellgrüner Bäume und dann noch über eine kleine Brücke an einem super hübschen kleinen Hotel vorbei. Die Kirche selbst ist eine Votiv-Kirche, die gebaut wurde, um dafür zu danken, dass die Pest aufgehört hatte (1631). Von innen wirkt sie, als sei sie rund, mit einem sehr kostbaren Cosmatenboden (Steinmosaik). Mama ist noch in die Sakristei gegangen, um sich Bilder von Tizian anzugucken, während der Rest der Kultur-Banausen vor der Kirche gesessen hat, Menschen geguckt und gepicknickt. Herrlicher Blick auf den Canal Grande. Es kam auch ein Paar an uns vorbei, er und sie fast gleich groß, sie in Leggins, er in Snap-Jeans und Bootsschuhe ohne Socken – das wirklich Besondere: Er hatte noch dünnere Beine als sie… sehr strange! (Fühlt euch frei, einen Kommentar zu schreiben mit euren Gedanken über Männerbeine, mit dem Schwerpunkt bzw. Leichtpunkt Waden…)

Nach den salzigen Picknick-Nüssen hatten wir Durst. Wir waren doch vorhin an einen Trinkbrunnen vorbei gekommen. Also da hin, aber wir hatten keine Flasche… hmmm… ne Plastiksonnenbrillendose funktioniert auch.  Neben der Kirche in einem Innenhof wird Kunst der Biennale ausgestellt. Ein südamerikanischer Künstler, der nicht dem Holz seinen Willen aufzwängt, sondern das vorholt, was schon in dem Holz vorhanden ist – Grundschulkunst?… in plakativen Farben… Tja, ich verstehe das halt nicht mit der Kunst.

Von dort aus ging es durch viele, viele winklige Gassen und über unzählig viele Kanäle. Jede Ecke lädt zum Stehenbleiben ein. Hier muss man gucken und um diese Ecke gucken… Venedig mag zwar nicht groß sein, es gibt auch keinen Verkehr, die Gassen sind auch nicht überfüllt (auf jeden Fall zur Zeit nicht), aber es ist so malerisch, dass man nirgends mal schnell hinkommt.

Auch habe ich heute meinen ersten Espresso in einem Café hier getrunken… sehr lecker! Und einen anderen Ort konnte ich dann auch gleich noch besuchen… eine Win-Win…-Win-Situation (Zitat aus Dark Matter)… Auf einem Platz hat ein Mann seine Frau ganz liebevoll auf seinem Schoß schlafen lassen… das sah so gemütlich aus! Immer wieder erlauben winzige Gassen, einen Blick in sie zu werfen, dann steht man in einer verwinkelten Ecke, umgeben von Wasser, und dann öffnet sich ein kleiner Platz zum Canal Grande hin. Es ist irgendwie magisch.

Stunden und vielleicht 500 m Luftlinie später sind wir rüber über die Ponte del Accademia mit herrlichen Blick entlang des Canal Grande. Wieder ein kleiner Platz und dann ein sehr großer. Der einzig wirklich große Platz neben dem Markusplatz am Dogenpalast – wenn man für jeden Quadratmeter viele Pfähle 7 m tief in den Boden rammen muss, überlegt man sich das mit Freiflächen… Am einen Ende des besagten Campo Santo Steffano ein Blick in eine Kirche, die jetzt Konzerthalle ist (Chiesa di Santo Vidal) und am anderen Ende länger in die Chiesa di Santo Steffano. Eine der wenigen gotischen Kirchen in Venedig. Ein interessanter Hallenbau. Nach der Kirche ist Esther an geheime Örter gegangen und hat dafür ein Alibi-Eis gekauft. Aus dem dann, weil es so gut schmeckte, noch drei weitere wurden. Eis schlabbernd weiter durch die winkligen Gassen. Jetzt in der Nähe des Markusdoms immer mehr Luxusgeschäfte…

In einer modernen „Kunst“austellung kann man die herrlich gemalte alte Decke betrachten. Und weiter durch winklige Straßen zu schönen Kunsthandwerkshops – hier ah! Und da Aaahhh!

Sarah ist platt und wir trennen uns auf, die Eltern in den Markusdom zur Messe (die beeindruckenden Goldmosaiken werden illuminiert), der Rest ab nach Hause. Auf dem Boot fahren Kadetten mit uns. Die Mäntel der Männer sind gerade so groß, dass die noch jugendlicher, noch lächerlicher aussehen. Ich frage mich, ob es Teil der Ausbildung ist, etwas verloren auszusehen in seiner Kleidung…

Noch drei Sachen gekauft. Dann Pfannkuchen und Nudeln mit roter Soße gemacht und bei einer Folge Marvels Agents of SHIELD verspiesen. Dann sind auch die Eltern schon da. Und nach und nach gehen alle ins Bett…

Morgen wollen wir mal früh los… Es wird ja schon so früh dunkel, und so schön Venedig auch ist, im Dunkeln ist das irgendwie nix…

Hier unsere Route:

 

Ab heute auch mit Fotos von Esther…

Venedig – Tag 2: Mal an den Strand
Venedig – Tag 4: Touren in der Sonne

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