Venedig – Tag 4: Touren in der Sonne

Venedig – Tag 4: Touren in der Sonne

Montag, 19 ° sonnig nach diesigem Morgen

Heute Morgen hab ich mir einen Wecker auf 8.20 Uhr gestellt. So ein Teil, was klingelt… Papa war gerade auch aufgestanden. Ilans Plan: Sport vor dem Duschen. Heutige Sportart: Joggen. Also rein in die Laufsachen, Mokka runterstürzen, ein paar Bissen vom guten Panettone und dann raus. Etwa 12° und gut diesig. Erst auf dem Kai entlang, dann in eine Kirche am kleinen Flughafen, einmal um den Flughafen und dann auf den Strand, Schuhe aus und weiterlaufen. Wie herrlich ist das?! Nach 27 Minuten bin ich wieder zu Hause und dann wird entspannt gebadet. Mit Bubbeln („Whirlpool“ nennt sich sowas hier…).

Nach noch mehr Mokka haben wir gemeinsam gefrühstückt und sind dann los.

Plan: Zu San Marco. Also ab aufs Schiff und los. Venedig vor uns in etwas Dunst. Auf einmal wird es wärmer und die Sonne bricht durch. Den Rest des Tages sind wir mit herrlichem Sonnenschein gesegnet. An San Marco angekommen entscheiden wir uns um, bleiben auf dem Boot und fahren weiter den Canal Grande entlang. Es ist einfach herrlich mild und sonnig. Vorbei an all den schönen Palästen tuckern wir, an jeder Station mit heulendem Motor an einen Anleger. Auf dem Canal herrscht immer reges Treiben, es fahren Wassertaxis und Wasserbusse (Vaparettos), Gondeln rudern vorbei, die Feuerwehr tuckert ihre Runde, an einem Campo hat ein Krankenschiff angelegt (am ersten Abend sind wir am Krankenhaus vorbei gekommen, dort ist ein sehr ausgeklügelter Anleger für Notfälle, direkt mit überdachtem Gang ins Krankenhaus… Leben am Wasser ist halt anders), dann schippert ein Umzugsschiff an uns vorbei (auf einer teuren Kommode sitzt einer der Besatzung… warum auch nicht?). Am Bahnhof müssen wir das Boot verlassen, Endstation. Über uns eine Brücke mit einem Behindertenaufzug, der von der einen Seite auf die andere fährt. Rundes Design, 90iger-Jahre-Sci-Fi… Dann ins nächste Boot – jaja, San Marco! San Marco! Wir denken, es fährt nun in die andere Richtung den Canal entlang, aber es geht weiter geradeaus. Rechts die Brücke zum Festland, lang und niedrig. Wir fahren nach links. Hier kommt die Straße vom Festland an, es gibt riesige Parkplätze, Sachen werden von Booten in Lastwagen gereicht, rechts dann die Insel Tronchetto und links die Pier-Anlage der Kreuzfahrtschiffe. Wir sind an der Spitze Venedigs angekommen. Der Blick öffnet sich auf viel Wasser und dahinter die Industrieanlagen auf dem Festland.

Am Pier lagen zwei Kreuzfahrschiffe. Vor dem Pier ist die Carinthia VII festgetäut – mit 97 m eine der größten Motor-Yachten der Welt. Direkt dahinter ein Marineboot. Das hintere Ende des Marinebootes ist offen und ein weiteres Boot steht im Bauch des ersten Bootes – Bootception oder wie diese russischen Figuren…

Unser Boot legte dann an der Chiesa del Redentore an – für die haben wir Eintrittskarten, da kann man ja mal vom Boot gehen. Die Kirche ist von Palladio gebaut – die Proportionen sind einfach perfekt – der Raum fühlt sich gänzlich schwerelos und genau richtig an.

Von dort aus haben wir ein kleines Restaurant gefunden, ich einen Espresso getrunken und wir noch gefüllte Crossoints gegessen. Und anderes gemacht. Das Restaurant war einfach perfekt. Ganz einheimisch. Der Besitzer (so nehme ich an) hinter dem Tresen, gewinnendes Lächeln. Die einzige Bedienung ein Mann, etwas Bauch, kurze etwas angeschmauchte Schürze, nicht wirklich herzerwärmende Austragung. Das Interieur zusammengesammelt, es wirkt etwas leer und verrödelt zugleich. Alles funktionsfähig, aber auch nur gerade so. Einheimisch wirkt es…

Eine kurze Planungssession und wir entschließen uns zu La Zitelle zu gehen und von da aus zur Basilika San Giorgio Maggiore überzusetzten. Der Weg das Ufer entlang ist einfach herrlich. Hier und da gehen wir in kleine Gassen hinein und wieder zurück. Am Ende der einen finden wir eine private Residenz mit riesigem Garten, am Ende einer anderen Plattenbauten, ca. 9 Stück an der Zahl, kein Zugang, außer ein Durchgang durch ein Haus am Ufer, und auf der anderen Seite ein Bootsanleger. Die Gebäude erinnern an Kibbuzim-Häuser aus der Gründungszeit Israels.

La Zitelle ist immer geschlossen, sagt man uns im Hotel nebenan. Also rauf aufs Boot zur nächsten Kirche.

In San Giorgio Maggiore geht es erst auf den Turm. Perfektes Timing. Das Licht beleuchtet die Stadt und wir gehen immer rum und gucken noch mal runter. Der Turm ist total der Tipp, da man von ihm aus die Stadt wirklich ganz sehen kann. In der Kirche selbst (auch von Palladio gebaut, genau so perfekt, aber etwas größer) steht Kunst, die nicht weg muss. Vorne hängt eine große Hand aus Stahllettern aller Sprachen, zum Segen erhoben, hinten im Kirchenschiff ein Kopf aus dicken Stahldrähten. Das Kunstwerk passt in den Raum und hebt.

Wieder vor der Tür, strahlt die Sonne ihre letzten Strahlen gold-gelb… Es wird noch eine Runde Fotos gemacht, ein Stück Schokokuchen gegessen und dann geht es bei barocken Wolken rüber zu San Marco. Der Sonnenuntergang malt dunkle Farben auf eine Wolkenbank, die tief über der Stadt liegt. Ilan verliert sich im Fotos-Machen, bis die Sonne ganz weg ist und der Mond hoch am Himmel steht. Übringens – Ilan Pro-Tipp: Stative sind schwer, aber ein Häckiesäck (Reissäckchen) funktioniert hervorragend für die meisten Langzeitaufnahmen. In zwei Gruppen, die Eltern und die Geschwister, mäandern wir durch die Stadt wieder rüber zur Rialto Brücke. Zwischendrin mache ich noch Fotos, wir kaufen unsere erste Pizza, gehen in einen Supermarkt und flüchten direkt wieder, da die Kassenschlange viel zu lang ist.

Von Rialto geht es dann nach Hause, 40 min Bootsfahrt, erst den Canal Grande entlang; dort reden wir mit einem amerikanischen Rentner, der seit 12 Jahren in der Nähe wohnt, er kann uns viele Einblicke geben – z.B. die Häuser, die Abends ganz dunkel sind, sind oft unbewohnt, es ist einfach zu teuer.

Und dann rüber zum Lido. Noch kurz was einkaufen, kurz was essen, alles geht schlafen und Ilan sammelt aus aaallen seinen Bildern, die er heute gemacht hat, die besten raus… Heute sind es etwas mehr geworden.

Jetzt schnell ins Bett, denn es ist schon fast zwei…

Hier unsere Route

Die Fotos fangen in der Mitte an. Morgen ist ganz am Schluss. Zum Umsortieren ist gerade keine Zeit…

Venedig – Tag 3: Jede Ecke ist schön
Venedig – Tag 5: Burano und Torchello mit viel Sonne

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