Venedig – Tag 6: Um viele Ecken gehen wir…

Venedig – Tag 6: Um viele Ecken gehen wir…

Mittwoch, 19° und sonnig

Diese Reise scheint es so zu sein, wie auf einer unsere Romreisen – wir kommen und kommen nicht in die Kirche San Marco hinein, weil es draußen so schön ist…

Heute sind wir mittelfrüh aufgebrochen. Über dem Wasser waren wieder die Alpen mit ihren schneebedeckten Gipfeln zu sehen. Wieder rauf aufs Boot und diesmal die ganze Bootsfahrt filmen… Mal sehen, ob das ein schönes Hyperlaps-Video wird.

Bei San Marco angekommen, wollen wir eigentlich in den Dom reingehen, aber die Schlange davor ist ewig! Am Morgen war ein Kreuzfahrtschiff angelandet, es bleibt nur einen Tag, die Stadt ist direkt etwas voller. Ich lasse schnell ein „Marty McFly“-Bild von mir machen – heute ist der Tag UND das Jahr, in dem der Protagonist des Filmes „Zurück in die Zukunft“ ankommt. Neuer Plan: auf neuen Wegen zur Rialto-Brücke gehen. Dieser Plan klappt auch und dauert den ganzen Tag.

Von San Marco gehen wir erst einmal über den Vorplatz und lassen ihn auf uns wirken. Dann erblicken wir eine Post und daneben einen Stand mit gut bezahlbaren Ansichtskarten. Also werden erst einmal Ansichtskarten gekauft. Dann geht es durch winklige Gassen an den ganzen Luxus-Geschäften vorbei. Hier ist es versammelt: Von 750€-Hausschuhen bis zu ausgefallenen Brillen mit verrückt geschliffenem Glas kann man hier alles kaufen. Hier und da gucken wir, drücken uns die Nasen an Schaufenstern platt; meistens ist man dankbar, dass die Kreditkarte solche Einkäufe nicht erlauben würde, das meiste ist ziemlich hässlich.

Ein paar Windungen weiter gibt es viele Kunsthandwerkgeschäfte; alle beteuern, nur echtes Burano-Glas zu verkaufen. An einem Platz picknicken wir etwas und gehen in die Kirche Santa Maria del Giglio o Zobenigo. Eine Kirche, die nach dem Tod eines Seefahrers, der Ruhm erlangt hatte, in sein Mausoleum umdesigned wurde. Auf der prächtigen barocken Frontseite sieht man ihn zusammen mit seinem Bruder; seine Siege und großen Taten sind auch dargestellt. Innen ist die Kirche reich geschmückt.

Dann geht es weiter durch die winkligen Gassen und über viele kleine Brücken. Als nächstes verschlägt es uns in die die Chiesa di San Maurizo, die jetzt ein Museum für venezianische Musikinstrumente ist. Es werden die verschiedensten Instrumente gezeigt, die in Venedig gefertigt wurden, einem berühmten Zentrum der Erfindung und Herstellung.

Am Campo Santo Steffano gehen wir noch einmal in die Chiesa di Santo Steffano, diesmal bei Sonnenschein. Es ist geradezu erschreckend, wie anders der Raum dadurch wirkt. Er ist nicht mehr düster und irgendwie bedrängend, sondern wirkt hell und offen. Eine wirklich schöne Kirche. In der Sakristei gibt es Tintoretto-Bilder zu bestaunen. Direkt nebenan ehren wir „unseren“ Eisladen und essen dann ganz entspannt unser Eis in der Sonne.

Gestärkt und erfrischt tapsen wir mutig weiter. Auf dem Weg konnte man in ein Gebäude reingehen und den großen Innenhof angucken. Alles aus Stein, die Mitte erhöht und so angelegt, dass Regenwasser von den Dächern in einen Brunnen / Zisterne läuft. Etwas trist ohne Grünflächen.

Wieder über eine Brücke, und auf einmal steht da ein modernes Gebäude… das ist völlig verwirrend, wenn alle Gebäude, die man seit Tagen gesehen hat, so alt sind… Vor dem Gebäude ein Löwe mit Flügeln (da muss ich direkt an den Film „Neigborhood Watch“ denken…). Weiter durch winklige Straßen. Hier eine Ausstellung der Biennale. Man kann in einen der Palazzi, die Ausstellung ist normal interessant, bis auf ein Abendmahlbild, das ein chinesischer Künstler dem berühmten Gemälde von Leonardo da Vinci nachempfunden hat: Wir Europäer scheinen für die Fernöstler nicht so schön auszusehen… Das Gebäude hat einen direkten Wasserzugang und einen magischen kleinen Innenhofgarten. Auf einem Sockel im Gang lag die Post für das Haus, unter anderem ein Brief von Google – den hätte ich ja gerne aufgemacht… ich bin immer noch neugierig!

Dann die Chiesa di San Salvador – sehr klassischer Bau mit tollen Kunstwerken. Links daneben eine Ausstellung im dazugehörigen Kloster aus der Renaissance; in zwei Innenhöfen (Kreuzgängen) wird Kunst von chinesischen Künstlern gezeigt, der erste ist mit übergroßen metallenen Dollarnoten ausgelegt, der zweite ist ausgefüllt mit einem lebensgroßen Rudel grimmiger Wölfe mit aufgerissenem Rachen, die auf eine Statue zu rennen, die Maria bei der Kreuzabnahme Jesu darstellt – „Angriff auf die Religion“ heißt das erschreckende Werk, man befindet sich mittendrin. Das hat was… Wir beten…

Ein wenig Picknick und dann geht es weiter. Nächster Halt ist das Kaufhaus Coin – in der Männermode scheint das Hipsterhafte nun Mainstream geworden zu sein. Die meisten Kleidungsstücke wirken so rau und altbacken, dass man sie noch  nicht einmal anprobieren möchte… Kurz einmal rüber zu Sephora – DSquared Potion for Man riecht soo gut! Wenn du es mir schenken willst – meine Adresse steht im Impressum 😉

Duftend machen wir uns auf die Suche nach dem Haus von Marco Polo. Auf dem Weg gehen wir noch in eine kleine Kirche. Sehr dunkel und rußig wirkt sie – vielleicht sollten wir nochmal am Tag reingehen. Versteckt durch Hinterhöfe, aber doch am Wasser, finden wir das Haus dann, ein nichtssagendes weißes, eher hässliches Haus; eine Plakette von achtzehnhundertund „Hier stand das Haus von Marco Polo…“, gesehen, T-Shirt gekauft, abgehakt.

Die Dämmerung ist zur Dunkelheit geworden und wir wollen nach Hause. Die Rialto-Brücke ist ja Endstation unseres Tagesplanes und die haben wir auch erreicht. Spannend, eine Brücke mit Geschäften drauf. Die Hälfte der Brücke wird gerade renoviert.

Doch noch nur diese eine Straße runter – auf ihr noch mehr Lädchen, in einem bestickt eine Frau Stoffe mit Schriftzügen nach Wunsch, die Maschine wird von Hand bedient und ist nicht computergesteuert, sehr magisch – und dann rauf aufs Boot, den Canal Grande hoch und über die Lagune zum Lido.

Sarah und ich gehen direkt nach Hause und der Rest geht noch ein paar Sachen kaufen.

Ich koche, wir essen, dann Blog, nun Bett.

Hier unsere Route mit ein paar Löchern – die Gassen sind so eng, dass das Handy Probleme, hat GPS zu finden…

 

Venedig – Tag 5: Burano und Torchello mit viel Sonne
Venedig – Tag 7: Über sieben Brücken gehen wir

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