Venedig – Tag 7: Über sieben Brücken gehen wir

Venedig – Tag 7: Über sieben Brücken gehen wir

Donnerstag – 19 °C und sonnig

Das Wetter ist wieder lieb zu uns und die Sonne lächelt auf uns nieder.

Hier erstmal das Hyperlaps-Video, damit ihr euch vorstellen könnt, wie wir jeden Tag nach Venedig übersetzen:

So auch heute, nur sind wir erst an der Rialto-Brücke ausgestiegen. Dort ist der Markt unser Ziel, aber wir gehen erst noch kurz in Coin… Auf dem Markt werden jeden Morgen von 6 bis 12 frische Waren verkauft. Obst, Gemüse und alles was man so aus dem Wasser ziehen kann. Große Fische, kleine Fische, Fischfilets, Krabben, Schrimps, Scampi, Tintenfische (das Eis darunter ist schwarz), Krabben groß und klein, Muscheln aller Art und Oktopusse (Ja, das ist der korrekte Plural, da das Wort griechischen Ursprungs ist… unnützes Wissen, das hängen bleibt…). Diese Artenvielfalt hab ich versucht mit schönen Bildern festzuhalten – die Verkäufer denken bestimmt: „Auusländer kommen immer, aber kaufen nix!“ (Watto – Star Wars Pod Racer)

Direkt dort am Markt haben wir dann auf einem Anleger in der Sonne gesessen und ganz gemütlich gepicknickt und dabei das rege Treiben auf dem Canal Grande beobachtet. Alles Erdenkliche wird umhergeschippert. Irgendwie besonders spannend finde ich die ganzen Paketdienstleister… DHL, UPS, TNT, alle haben sie Boote.

Von unserem Mittagsplatz aus ging es dann wieder ins Getümmel, die kleinen Gassen, die buckligen Brücken. Es ist geradezu verrückt, wie langsam man in Venedig vorwärts kommt. Auf der Karte sieht das immer wie ein Katzensprung aus, aber es dauert immer Ewigkeiten. Hier ein Shop, da eine Vista, dort eine Kirche, in die man rein kann.

Als erstes ging es dann am Fuß der Rialto-Brücke in die Chiesa di San Giacomo, die älteste Kirche Venedigs, gegründet im Jahr 421. Die Uhr auf der Front hat ein Ziffernblatt mit 24 Stunden und nur einem Zeiger und wirkt sehr altertümlich und malerisch. Direkt um die Ecke gucken wir in die Chiesa San Giovanni Elemosinario. Dort haben wir gefragt, ob wir was singen dürfen, und da niemand anderes da war, durften wir. Das ist immer schön. Direkt gegenüber ist der Laden der Frau, die Sachen mit Namen bestickt – bevor wir in die Kirche gegangen waren, hat sie uns wiedererkannt und Sarah ihren Namen auf ein Papier gestickt – als wir aus der Kirche herausgekommen sind, habe ich meinen Plan vom Vorabend vorgeholt und ein Geburtstagsgeschenk für eine Person, die wir jetzt nicht verraten werden, gekauft.

Weiter die Gassen entlang – auf einem kleinen Platz wird ein Rohr repariert. Hierfür ist eine ganze Horde Männer nötig. Interessant ist, dass der Grundwasserspiegel nur gut 30 cm unter der Straßendecke ist. Später am Tag sehen wir auch eine Gruppe Männer, die zusammen eine Fahne hissen. Teamwork scheint hier groß geschrieben zu werden… Dann öffnen sich die winkligen Straßen mal wieder zu einem Platz, dem Campo San Polo. Bevor wir in die Kirche San Polo gehen, sitzen wir erst einmal eine Runde und essen etwas Kuchen. Die Kirche ist erstaunlich groß und in einem Nebenraum wird ein Bilderzyklus aus dem 19. Jhd. gezeigt. Sehr schöne Bilder. Sarah und ich sind etwas früher fertig und setzen bzw. legen uns in Sonne und ruhen etwas. Der Rest braucht gar nicht so lange in der Kirche, setzt sich aber in ein Café und konsumiert leckere Sachen – um auf die Toilette zu dürfen, die natürlich nur für Kunden ist.

Reden wir mal über Toiletten, die sind hier in Venedig Mangelware. Es gibt ganze sieben öffentliche – immerhin eine biblische Zahl. Diese sind so weit auseinander, dass sich dorthin zu gehen eigentlich nicht lohnt, und diese kosten dann 1,50 €. Der Rest der Toiletten in Venedig ist privat. Nicht alle Restaurants haben eine; die, die eine haben sind vehement „Nur für Kunden!“. Man fühlt sich allerdings auch etwas komisch, wenn man ein Alibi-Espresso schlürft und schnell auf Toilette huscht… Sehr komisch hier!

Also, wo waren wir… Die nächste Station ist das Casa di Carlo Goldoni, Wohnhaus eines berühmten Schriftstellers. Es sind ein wunderschöner Zugang vom Wasser her, eine malerische Außentreppe, drei Räume, schön, mit Zeug drin – und eine Toilette. In Venedig geradezu Gold(oni) wert…

Weiter geht es zur Chiesa San Rocco, sehr dunkel, klassisch, große dunkle Bilder und eine herrliche Rückwand. Nebenan die Scuola Grande di San Rocco hat heute schon früh und morgen ganz zu, also um die Ecke in die Basilica di Santa Maria Gloriosa dei Frari. Was für ein Bauwerk! Riesig und luftig ist das Kirchenschiff. Rechts und links große beeindruckende Grabmäler von Canova und Titian. Als erstes fällt ein grandioses, hochberühmtes riesiges Altarbild von Titian auf – gaaanz weit da vorne. (Das sieht man übrigens später auch auf seinem Grabmal Nähe Eingang in Stein gemeißelt integriert.) Näher vorne, aber noch durcheine riesige Freifläche vom Eintretenden getrennt, ein exquisites Chorgestühl, feinste Einlegearbeiten und Schnitzereien, jeder der 120 Sitze verschieden, links und rechts je in drei aufsteigende Reihen. Imposant! Vom Chorgestühl aus zum Hauptaltar erstreckt sich nochmal eine Fläche, in die unsere Dorfkirche wahrscheinlich gemütlich reinpassen würde. Trotz ihrer Größe wirkt die Kirche aber genau richtig. In einer Nebenkapelle ein berühmtes Altarbild von Bellini und an einer Seitenwand hängt ein unglaublich riesiger Reliquienaltar. Sowas habe ich noch nie gesehen, ein Altar-Schrein mit großem Fenster, das den Blick auf die angesammelten Reliquien freigibt.

Nach dem Geistigen noch etwas körperliches Wohl – wir essen ein Eis und Pizza, um uns für den Heimweg zu stärken. Das ist auch nötig, denn obwohl die nächste Haltestelle nicht weit weg ist, dauert es noch einmal über eine Stunde, dort hinzukommen. Dazwischen liegen noch viele schöne Anblicke – z.B. ein Gemüsehändler, der seine Waren direkt vom Schiff aus verkauft – und ein Haushaltswarengeschäft, wo einige Sachen gekauft werden. Das wichtigste sind Tischmatten, jetzt können wir hemmungslos schlemmen und müssen keine Angst mehr um Tischdecke und Edelholz haben.

Nach der Tour den Canal Grande entlang, vorbei an einem Kriegsschiff, das gerade betankt wird, und dann rüber zum Lido. Papa und Ilan kurz ins Geschäft, und dann wird genau das gemacht: geschlemmt. Ich brate Fleisch und mache Sarah Bratnudeln, Esther bereitet Kartoffelpüree und dann essen wir gemütlich – nun ganz gediegen mit Koala-Tischmatten.

Jetzt können wir zufrieden ins Bett sinken und wie Koalabär-Kinder schlafen.

Unsere Route:

 

Venedig – Tag 6: Um viele Ecken gehen wir…
Venedig – Tag 8: Ab vom Schuss

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