Venedig – Tag 8: Ab vom Schuss

Venedig – Tag 8: Ab vom Schuss

Freitag, 20°C und sonnig

Heute sind wir sehr früh aufgestanden und dann ist irgendwie Zeit verdunstet. Traurig war, dass wir Sarah zurücklassen mussten, da ihr zu übel war. Noooo, ohne Sarah ist alles blöd.

Sarah hat noch lange geschlafen und dann den Tag am Strand verbracht. Fotos davon werde ich auch hochladen.

Der Rest der Gang ist mit der Linie 1 den ganzen Canal Grande zum Bahnhof gefahren. Dit dauert, aber ist echt schön! Von der Einmündung des Canal Grande aus sieht man die 97m lange Privat-Yacht Carinthia VII auf die Stadt zufahren, neben ihr das Kriegsschiff und das große Segelschiff. Was für ein Boot – ich würde gerne mal an Bord… Am Bahnhof war dann glatt schon wieder Picknickzeit und wir haben am Canal gesessen. Von dort aus sind wir dann in zwei Gruppen los, Mama und Papa mit dem Boot und Esther und ich zu Fuß. Ziel: di Chiesa di San Giobbe. Esther und ich sind auf dem Weg noch in die Chiesa di San Geremia – eine Kirche mit griechischem Grundriss.

Am Ziel angekommen, warten Mama und Papa schon auf uns, die Kirche ist heute zu. Also wieder rauf aufs Boot, einen süßen Kanal entlang, dann auf der anderen Seite aus Venedig raus. Etwas an der Stadt entlang und wir steigen in San Alvise aus. Hier ist man so richtig ab vom Schuss. An der Haltestelle sitzt ein alter Mann auf einer Bank und blickt müde rüber nach San Michelle (der Friedhofsinsel) und sonst sieht man die nächsten paar Gassen niemanden. Die Häuser sind grau, der Boden ist grau, es weht Wäsche auf Leinen. Dann ein kleiner Platz und die Chiesa di Sant‘ Alvise. Eine Kirche, in der die komplette Decke ausgemalt ist. Hinten arbeiten Männer (wieder als Team). einer steht in einem Loch im Boden, direkt 30 cm unter dem Fußboden schwappt das Wasser. Das ist schon echt spannend.

Von dort aus geht es nach direkt nebenan, aber dafür muss man erstmal über zwei Bücken und ein paar Gassen entlang. Hier wird es auch etwas belebter. Aus einem Haus lugt der Bug eines Bootes, das gekärchert wird… Aber es ist immer noch fernab der Touristenströme. Das nächste Ziel ist die Chiesa Madonna dell’ Orto. Auf dem Weg dorthin kommt man an dem Haus vorbei, in dem Tintoretto die letzten 30 Jahre seines Lebens verbracht hat, die Kirche war seine Pfarrkirche – so kommt es, dass der gesamte Altarraum mit Bildern von ihm ausgeschmückt ist. Anders als viele Künstler seiner Zeit lag ihm der Glauben sehr am Herzen. Dies sieht am in der Ausdrucksstärke, die er seinen biblischen Szenen verleiht. Die Kirche selbst ist besonders von außen wirklich schön, mit angelagertem alten Kreuzgang/Innenhof. Nach dem Kirchenbesuch sitzen Esther und ich etwas in der Sonne vor der Tür und erholen uns. Wir sind alle irgendwie sehr platt.

Nach den Kirchen geht es wieder in etwas belebtere Teile der Stadt. Wir werfen ein Blick auf die dem Pantheon nachempfundene Kirche La Maddelena, die leider nie geöffnet hat. Der Kanal zu ihrer Linken ist besonders still und Gondeln spiegeln sich herrlich. Dann entspannt eine etwas breitere Straße entlang. Hier kann man in einen Pallazzo, der Teil der Biennale-Kunstausstellung ist. Rein da. Die Architektur ist schön. Das erste Stockwerk zeigt Kunst, die teilweise sogar wirklich von Können kommt, im erträglichen Mix mit Müll. Einige Werke sind wirklich schön, z.B. zwei geschnitzte Menschen, Tiere mit Acryl auf Holz gemalt, ein Baum auf mehreren Paneelen. Ilan denkt schon fast, dass es scheinbar auch erträgliche moderne Kunst gibt. Ich hätte nicht höher gehen sollen. Dort wird es erst einmal rödelig. Irgendwelches Zeug wird zu „Kunst“ zusammengeworfen, dann wird es widerlich gotteslästerlich, dann einfach nur schräg (Kunstfilme, z.B. der Kopf eines Mannes, der aus einem Loch im Holzboden guckt, 32 h, auf 16 mm Film, dargestellt von Blu-Ray auf Samsung Plasma-Fernseher), und dann wird es auch noch tatsächlich beschissen: Ein Mongolischer Künstler zeigt seine Heimatverbundenheit mit Installationen aus Filz, Asche, Leder und Pferdescheiße. Jap, Kunst kann ziemlich beschissen sein. Der Pallazzo zeigt, wie diese Häuser aufgebaut waren: unten Geschäftsräume, dann Repräsentationsräume, dann Wohnräume und dann noch zwei Stockwerke für Diener usw., die Decken werden von Stockwerk zu Stockwerk niedriger.

Nach diesem Ausflug in die Abgründe der Kunst huschen wir erstmal in die Kirche neben an (Chiesa San Felice) und reinigen unsere Seele. Wir tingeln noch ein bisschen die Straße auf und ab. Ich gehe ein bisschen schneller durch die Menschenmassen und gucke Menschen… ach, das macht Spaß.

Dann steigen wir an der Ca’ d‘Oro in ein Vaporetto und treten die ca. 50-minütige Heimreise in beginnender Dunkelheit an.

Kurz ins Geschäft und dann koche ich Bolognese, jetzt sogar mit viel Zwiebel und etwas frischem Knoblauch.

Noch eine Runde Quatschen, Fotos von Sarah angucken und jetzt bubu.

Unsere Route mit Loch – irgendwas ist schiefgelaufen:

 

Venedig – Tag 7: Über sieben Brücken gehen wir
Venedig – Tag 9: San Marco und Strand

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