Venedig – Tag 9: San Marco und Strand

Venedig – Tag 9: San Marco und Strand

Samstag, ca. 19°C und sonnig

Heute Morgen wollten wir ausschlafen, aber waren, da wir früh im Bett waren, in Teilen doch früh wach. Die Schwestern haben noch geschlafen und wir andern haben uns aus dem Haus geschlichen. Ziel San Marco – wir haben es also doch vor dem letzten Tag geschafft.

Die Überfahrt war wieder schön sonnig und dann durften wir auf dem Markusplatz Aqua Alto erleben – Hochwasser. In der Stadt stehen auf den wichtigen Routen erhöhte Gehsteige bereit – Metallbeine und Holzplatten. Auf diesen drängten sich heute Menschenmassen. Das Hochwasser waren allerdings nur noch ein paar sehr große Pfützen, als wir kamen. Wir haben ja wasserdichte Schuhe, also sind wir schneller an den Pfützenrändern weitergekommen, als über die vollen Gehstege. Eine kurze Schlange vor der Kirche San Marco: ein wenig auf dem Hochwassersteg vorrücken und rein in das Bauwerk.

Ich wusste nicht, was mich erwartet, dachte, es ist einfach nur eine weitere Kirche – aber sie ist durchaus eine Reise wert. Der Raum öffnet sich vor einem und die gesamte Decke ist golden. Von vorne bis hinten sind die Decke und alle Unterzüge mit Goldmosaiken ausgeschmückt. Einfach nur herrlich. Viel langsamer als der Rest der Touristen sind wir vorgedrungen, haben von hier geguckt und von da und nochmal nach dort. Dann haben wir die Schatzkammer besucht. Dort sind sehr besondere Kunstgegenstände zu sehen, da viele Stücke ihre Ursprünge in Konstantinopel haben – eher fremd wirken die Ausdrucksformen. Die Gegenstände sind aber super schön. Dann noch an der Altarrückseite entlang – wie für den Schatz muss man auch hier einzeln Eintritt bezahlen – die Altarrückseite ist um Welten prächtiger als ihre Vorderseite: eine ca. 3,4×2,2m vergoldete Silberplatte, mit über 300 ausgetriebenen Figuren bzw. Emaille-Bildern und Medaillons, (Apostel, Propheten, biblische Personen, Könige, Heilige), eingerahmt von ca. 2000 herrlichen Edelsteinen und Perlen.

In der Zeit, in der wir um die Rückseite des Altars gegangen sind, wurde auch die Kirchenbeleuchtung angeschaltet und das hebt dann nochmal mehr. Ganz langsam sind wir dann in Richtung Ausgang getingelt. Wenn man unter der Vierung steht und nach oben guckt, vermittelt die goldene Decke in alle Richtungen einen herrlichen Sinn von Weite.

Damit man nicht an Genickstarre eingeht, ist auch der Boden sehr kostbar ausgestaltet. So kann man immer wieder mal runtergucken.

An der Kirche hab ich mich dann von Mama und Papa getrennt. Sarah und Esther sind schon am Strand und ich komme nach. Aber anstatt direkt dort in ein Vaparetto zu steigen, gehe ich noch das Ufer entlang zum Biennale-Gelände. Herrlich in der warmen Sonne!

Dann rüber über das Wasser, Eis im Supermarkt kaufen, Sachen zu Hause ablegen und andere mitnehmen und an den Strand. Dort essen wir erst einmal Eis, dann schlafen wir eine Runde genüsslich und dann machen wir uns auf die Muscheln-Sammeln-Expedition. Mit einer kleinen Tüte gehen wir los, mit einer Kiste kommen wir wieder.

Wir hatten einen herrlichen Tag, den Flutsaum entlang gehend, hier Muscheln und da ein Krebs. Irgendwann kommen wir am Ende des Strandes an und dort kommt ein großes Kreuzfahrtschiff und  verlässt die Lagune zum Mittelmeer. Was für Riesenschiffe! Der Himmel färbt sich rosa, das Wasser leuchtet, der fast volle Mond erst schwach zu sehen, dann in voller Helligkeit, schillert auf dem Meer.

Irgendwann sind wir wieder an unserem Standlager, packen unsere Sachen und gehen nach Hause. Dort wird gegessen und zwei Folgen Marvels Agents of SHIELD geguckt – mann, die Season hat sehr genial angefangen!!!

Jetzt erholt ins Bett und morgen wieder mit neuer Kraft ins Getümmel.

 

Mama und Papa berichten: Wir haben noch einige Kirchen besichtigt, jede wieder anders. Die eine (S. Maria die Miracoli) ist ganz aus Marmor, innen wie außen. Ein echtes Schmuckstück. Die riesige gotische Kirche San Giovanni e Paolo  ist voller herrlicher Kunstwerke und bietet eine tolle Raumerfahrung. Eine andere Kirche (San Zaccaria) hat eine 1200 Jahre alte Unterkirche (Krypta). Der Boden der Kirche war im Laufe der Jahrhunderte soweit abgesackt bzw. der Meeresspiegel gestiegen, dass die Krypta normalerweise zu ca. 30 cm dauerhaft unter Wasser steht – geheimnisvolle Schönheit. Die Kirche selbst ist ganz und gar mit Gemälden ausgekleidet, bis unter die Decke. Die Gemälde passen sich der Architektur vollständig an bzw. waren genau für die betreffende Fläche passend gemalt. Ein berühmtes Bild von Bellini zum Beispiel ist in einen kostbar gestalteten Säulenrahmen mit Bogen darüber eingepasst; das Bild wiederholt genau diese Säulen und setzt Bögen so fort, dass ein virtueller Raum aufgebaut wird, der die Kirche an dieser Stelle erweitert, wo dann die dargestellte biblische Szene (Maria mit Jesuskind) platziert wird – gleichsam direkt in der Kirche!

 

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